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NWZonline.de Sport Fußball

Löw fährt radikalsten Kurs seiner Amtszeit

06.03.2019

Berlin Joachim Löw wird zum Hardliner. Kurz vor dem Start ins neue Länderspieljahr greift der Bundestrainer zu den härtesten Personalmaßnahmen seiner Amtszeit und mustert gleich drei ehemalige Weltmeister aus. Jérome Boateng (30), Mats Hummels (30) und Thomas Müller (29) gehören nicht mehr zur Fußball-Nationalmannschaft. Vor allem Hummels und Müller traf das Aus unvorbereitet.

„Ich danke Mats, Jérome und Thomas für die vielen erfolgreichen, außergewöhnlichen und einmaligen gemeinsamen Jahre“, erklärte Löw am Dienstag. Bei der am 24. März beginnenden EM-Qualifikation für das Turnier 2020 ist das verdienstvolle Münchner Trio nicht mehr dabei. „Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben. Ich bin überzeugt, dass das nun der richtige Schritt ist“, betonte der Bundestrainer.

„Ich bin traurig über diese Nachricht, weil es für mich immer das Allergrößte war, mein Land zu repräsentieren“, reagierte Boateng. „Dennoch respektiere ich den neuen Kurs und habe Verständnis für die Entscheidung.“ Er sei immer „extrem stolz“ gewesen, das Trikot der Nationalmannschaft tragen zu dürfen. Den Sommer 2014 mit dem WM-Sieg werde er nie vergessen: „Dennoch hätte ich mir natürlich einen anderen Abschied für uns gewünscht.“

Kein Hintertürchen

Anders als im Fall Sami Khedira – den Weltmeister von 2014 hatte Löw noch mit der Aussicht auf eine Rückkehr gestrichen – verzichtete Löw dieses Mal auf jedes „vorläufig“ oder „zunächst“. Die DFB-Karrieren von Müller (100 Länderspiele), Boateng (76) und Hummels (70) sind beendet. „Thomas, Mats und Jérome haben bisher Großes für den deutschen Fußball erreicht und werden es in ihrem Verein auch weiter tun“, erklärte Oliver Bierhoff als Nationalmannschaftsdirektor.

Nach dem WM-Vorrunden-Aus in Russland hatte Löw mit dem Umbruch gezögert und gerade Spieler wie Müller als unerlässliche Stützen für die neue Generation bezeichnet. Doch der Abstieg in der Nations League hat beim 59-jährigen Schwarzwälder offenbar nun für ein Umdenken gesorgt. In Manuel Neuer, Matthias Ginter, Julian Draxler und Toni Kroos spielen nur noch vier Champions der WM 2014 in Brasilien beim Neustart eine Rolle.

Löw sprach von einem „deutlichen Signal der Erneuerung“. Die Sportliche Leitung wolle „nun konsequent den Neubeginn auch im Kader sichtbar machen“, ergänzte Bierhoff. Wenn der Bundestrainer seinen neuen Kader für das Testspiel am 20. März in Wolfsburg gegen Serbien und den EM-Quali-Auftakt am 24. März in Amsterdam gegen die Niederlande beruft, scheinen neue Überraschungen nicht ausgeschlossen. „Die jungen Nationalspieler erhalten den nötigen Raum zur vollen Entfaltung. Sie müssen nun die Verantwortung übernehmen“, meinte der Bundestrainer.

DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärte, der Zeitpunkt für die Veränderungen sei genau richtig. „Unser Auftrag ist es zu entscheiden, was das Beste für die Mannschaft auf dem Weg zurück an die Weltspitze ist“, sagte Bierhoff. Der Manager, Löw und Assistent Marcus Sorg hatten Müller, Boateng und Hummels am Dienstag in München das Aus im DFB-Team mitgeteilt.

Persönliche Gespräche

Es sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen, „den Spielern und Verantwortlichen des FC Bayern meine Überlegungen und Planungen heute persönlich zu erläutern“, bemerkte Löw. „Sie sind alle weiterhin Spieler auf Weltniveau, die in ihrem Verein ganz vorne mitspielen und Erfolge garantieren. Sie sind große Spieler, die für eine große Zeit der Nationalmannschaft stehen. Sie haben über Jahre hinweg unendlich viel für Deutschland und die Nationalmannschaft geleistet“, erklärte der Bundestrainer.

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