Rio De Janeiro - Fifa-Präsident Joseph Blatter schlägt plötzlich die Einführung des Videobeweises vor. Schnell greift die Diskussion auf den deutschen Fußball über mit unterschiedlichen Positionen beim Dachverband DFB und der Vertretung der Proficlubs DFL.
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Was bezweckt Blatter mit seinem Vorstoß |
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Zwei Dinge treiben Blatter an. Das Trauma der WM 2010 verfolgt ihn, als er zu spät erkannte, dass die Fußball-Welt nach dem Torklau im Spiel Deutschland gegen England nach technischen Neuerungen verlangte. Das soll ihm nicht noch einmal passieren. Doch der Vorstoß ist auch ein Wahlkampfmanöver gegen seinen möglichen Herausforderer um das Präsidentenamt, Michel Platini. Der Franzose gilt als Technik-Skeptiker. Blatter provoziert mit Plaudereien über Platinis Pläne und macht sich zum Vorkämpfer für neue Ideen.
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Wie stellt sich Blatter den Videobeweis vor |
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Beide Trainer sollen pro Spiel zwei Chancen bekommen, die Entscheidungen des Schiedsrichters durch TV-Bilder überprüfen zu lassen. Dies soll jedoch nur möglich sein, wenn das Spiel dafür nicht unterbrochen werden muss. Ganz wichtige Entscheidungen, wie Elfmeter oder nicht, Handspiel oder nicht und Abseits oder nicht, können so geklärt werden.
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Wie stehen DFB und DFL zu dem Vorschlag |
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Die DFL hat ein Interesse, ihr Premium-Produkt Bundesliga bestmöglich zu vermarkten und mit modernen Elementen zukunftsfähig zu halten. Für den DFB ist die Lage komplexer. Präsident Wolfgang Niersbach kann seine Ablehnung inhaltlich begründen, weil auch nach der Ansicht von vielen Fernsehbildern noch Zweifel herrschen können. Zudem muss er als enger Platini-Vertrauter dessen konsequenten Anti-Blatter-Kurs mittragen.
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Wann kommt der TV-Beweis in die Bundesliga |
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Das kann noch dauern. Bevor der Videobeweis eingeführt werden kann, muss zunächst das International Football Association Board (IFAB) eine Änderung in die Regeln aufnehmen. Das Gremium tagt nur einmal im Jahr und schreibt solche Eingriffe nicht sofort in das Regelbuch. Die Torlinientechnik wurde jahrelang geprüft, mehrfach verworfen und dann letztlich innerhalb von drei Jahren wettbewerbsfähig umgesetzt.
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Die Torlinientechnik – kommt sie schneller |
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Das könnte sein. Nach der ersten Ablehnung stimmen die Bundesliga-Clubs am 1. Dezember noch einmal ab. Die juristischen Voraussetzungen seitens der Fifa sind seit dem IFAB-Beschluss im Juli 2012 ohnehin vorhanden. Anbieter gibt es genug.
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Wird es die Tortechnik bei der EM 2016 geben |
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Das ist durchaus möglich. Wenn die Uefa-Gremien zustimmen, kann es bei dem Turnier in Frankreich zur Europa-Premiere kommen – beim Turnier in seinem Heimatland will Platini sicherlich nicht über falsche Entscheidungen der Referees debattieren müssen. In dieser Frage wird er sich wohl technikfreundlich geben.
