BOCHUM - Der mutmaßlichen Führungsriege der Fußball-Wettmafia drohen neben Haft- und Geldstrafen möglicherweise auch Schadenersatzforderungen der Wettanbieter in Millionenhöhe. Bei den Angeklagten ist nach derzeitigem Stand aber nicht mehr viel zu holen. Am vierten Verhandlungstag vor der zwölften Strafkammer des Bochumer Landgerichtes gegen Ante Sapina und Co. wurde von der Staatsanwaltschaft dargelegt, wie die Beschuldigten ihre Gewinne unter anderem im Ausland versteckt haben sollen. Sapina will sich nach Angaben seines Anwalts erst bei der nächsten Sitzung am Donnerstag zur Sache äußern.

Vor allem Sapina, der 2005 im Wettskandal um den DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden war, soll im Ausland seine mutmaßlichen Wettgewinne auf diverse Konten verteilt haben. Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel teilte im Zeugenstand mit, dass man unter anderem auf der Isle of Man ein Konto gefunden habe, das zwar auf den Namen eines Wettbüros gelaufen sei, dessen Geld aber Sapina zugeordnet werde. Insgesamt handelt es sich um 1,27 Millionen Euro. Von dieser Summe sind bislang über ein Rechtshilfe-Ersuchen aber erst 142 000 Euro an die Gerichtskasse Bochum überwiesen worden.

Sapina, auf den Forderungen von 3,45 Millionen Euro zukommen könnten, wurde in Deutschland bereits zuvor gepfändet. Insgesamt wurden bei diversen Pfändungsmaßnahmen 71 265 Euro bei dem Kroaten sichergestellt. Unter anderem wurde das Porsche-Cabrio (52 375 Euro) des Hauptangeklagten zu Geld gemacht. Derzeit suchen die Ermittler noch in Kroatien, aber auch in Russland, Malaysia und China nach Konten der Angeklagten. Dabei gestaltet sich die Zusammenarbeit mit diesen Nationen wegen der komplizierten Rechtslage offenbar sehr schwierig, wie Oberstaatsanwalt Norbert Salomon einräumte.

Neben Sapina müssen sich dessen Kompagnon Marijo C. sowie vier weitere mutmaßliche Helfer vor Gericht verantworten. Sie sollen Spieler und Schiedsrichter bestochen – unter anderem in der Champions League und der WM-Qualifikation – und durch Wetten auf manipulierte Partien hohe Gewinne erzielt haben.