BöSEL - Der Hamburger SV tanz noch auf drei Hochzeiten. Sowohl in der Fußball-Bundesliga, im DFB- und Uefa-Pokal hoffen die Hanseaten auf einen Titel, um an die Erfolge in den 70er- und 80er-Jahren anzuknüpfen. Einer, der damals der „Goldenen Generation“ des HSV angehörte, ist Caspar Memering. Der heute 55-Jährige holte mit den „Rothosen“ zweimal die Meisterschaft (1979/1982), wurde Pokalsieger (1976) und gewann den Europapokal der Pokalsieger (1977).

Textzeile im Kult-Lied

Bei den Heimspielen klingt Memerings Name oft durchs Stadion, wenn die Hamburger Fans in der Nordkurve den Kultsong „Wer wird deutscher Meister? H-H-H-HSV!“ singen. In diesem ist ihm eine Textzeile gewidmet.

Das mache ihn stolz, natürlich. Aber wenn es in der Hymne künftig statt „Hartwig, Magath oder Memering“ dann „Trochowsi, Jansen oder Jarolim“ heißt, würde ihn das nicht stören. „Meine Zeit ist lange vorbei“ sagt Memering, der seit 2004 in Bösel (Landkreis Cloppenburg) wohnt. „Ich habe Abstand bekommen.“ Dennoch wünscht er sich, dass die Hamburger wieder einmal die Meisterschale, die er mit dem HSV zuletzt vor 27 Jahren in den Händen hielt, an die Elbe holen.

Ob es in dieser Saison schon etwas mit dem Titel wird? „Es wird schwer“, ist Memering skeptisch. Größter Konkurrent seien die Bayern aus München. „Sie haben die besten Spieler“, begründet er: „Aber die Vize-Meisterschaft traue ich dem HSV zu. Und die wäre ein Riesenerfolg.“

Memering weiß, wie beschwerlich der Weg zur Nummer eins ist. „Man muss sich 34 Spieltage beweisen“, betont er. „Wer den Titel will, muss verzichten können.“ So wie 1978. Damals wurde Branco Zebec HSV-Trainer. „Er führte drei Neuerungen ein“, erinnert sich Memering.

Strenge Regeln von Zebec

„Erstens: knüppelhartes Training. Zweitens: Disziplin. Wir mussten um 22.30 Uhr zu Hause sein und immer mit Kontrollanrufen rechen. Drittens: Wir durften Hamburg nur bis zum Umkreis von 20 Kilometern verlassen. Wollte man weiter weg, brauchten wir die Erlaubnis vom Zebec oder Co-Trainer Aleksandar Ristic.“ Der Erfolg rechtfertigte die drastischen Mittel.

Der jetzige HSV-Trainer Martin Jol legt ebenfalls Wert auf Disziplin. „Ich habe ihn auf der letzten Weihnachtsfeier kennen gelernt“, sagt Memering. „Er fühlt sich in Hamburg pudelwohl und wird dem HSV noch Erfolge bringen“, ist er sich sicher. Einzig mit dem Personalmanagement hadert der Ex-Nationalspieler: „Es herrscht im Team zu viel Fluktuation.“

Beispiel: In der Winterpause ging Stammspieler Nigel de Jong. Dafür kamen sechs Akteure aus der zweiten Reihe. „Wenn früher ein Spieler die Mannschaft verlassen hat, kam ein gleichwertiger neuer“, sagt Memering, den 1982 Wolfgang Rolff ersetzte.

Ehrengast bei Heimspielen

Als Träger der goldenen Ehrennadel des Vereins erhält Memering zu allen Heimspielen eine Eintrittskarte. Dennoch ist er nur noch selten zu Gast in Hamburg. „Dazu fehlt mir die Zeit“, bedauert er. Als Trainer des Bezirksligisten Tura Westrhauderfehn steht er am Wochenende selber auf dem Fußballplatz.

Eine zweite Karriere als Profi-Trainer blieb Memering jedoch verwehrt. „Ich habe es versucht“, erzählt er. „Doch aufgrund meiner Verletzungen hat dieses die Berufsgenossenschaft damals abgelehnt.“ So arbeitete er zunächst als Kaufmann in Hamburg. Erst 1997 kehrte er zum Fußball zurück. „Da war ich schon über 40, und das ist für das Profi-Geschäft zu spät“, sagt Memering.

Als Mitglied der HSV-Altliga hält er noch engen Kontakt zum Verein. Zudem sei er stets gut informiert. „Ich spreche oft mit Ditmar Jakobs und Manfred Kaltz“, pflegt er Freundschaften mit der „Goldenen Generation“.