BRAUNSCHWEIG - Mehrere Millionen Euro Steuergeld für Schulen und Kindergärten oder für die VIP-Logen in einem Fußball-Stadion? Auf diesen provozierenden Nenner bringen die Gegner die Frage, die nun 199 600 Braunschweiger beantworten sollen. In einer deutschlandweit einmaligen Bürgerbefragung entscheiden an diesem Sonntag die Einwohner der Stadt über die Renovierung des Stadions, in dem Eintracht Braunschweig, deutscher Meister von 1967, kickt.
Als Tabellenführer der 3. Liga strebt die Eintracht zurück in den großen Fußball und sorgt nach Jahren mit Schulden und Skandälchen wieder mit sportlichen Erfolgen für gute Stimmung. Clubchef Sebastian Ebel ist vor dem Entscheid jedoch eher skeptisch.
Ein Politikum ist die 14,5 Millionen Euro teure Renovierung des traditionsreichen, aber heruntergekommenen Stadions an der Hamburger Straße ohne Zweifel. Im Mittelpunkt steht Oberbürgermeister Gert Hoffmann, der sich als Eintracht-Fan bezeichnet, aber wohl Angst vor dem Zorn der weniger Fußballbegeisterten hat.
Plakate und Diskussionsforen zeugen von den politischen Auseinandersetzungen in Niedersachsens zweitgrößter Stadt. Seit Stuttgart 21 wollen immer mehr Bürger Mitspracherecht, sagt der Oberbürgermeister. 2008 hatte die Stadt die Sanierung bereits beschlossen, das Projekt ein Jahr später aber wegen der finanziellen Krise wieder gestoppt. Hoffmann ist vorsichtig geworden. Schließlich hat Fußball in Braunschweig eine besonders große Bedeutung.
Die Fans des Vereins, der einst mit der ersten Trikotwerbung und der Verpflichtung von Paul Breitner für Aufsehen sorgte, zählen zu den treuesten in ganz Deutschland. Fünfstellige Zuschauerzahlen gab es auch in der Tristesse des Drittliga-Mittelmaßes, obwohl der Club seit langem im Schatten der erstklassigen Nachbarn Hannover 96 und VfL Wolfsburg steht. Derzeit kommen im Schnitt ungefähr 15 000 Zuschauer.
Der wieder aufstrebende Club benötigt laut Ebel den Ausbau des Stadions. Das ist neben dem sportlichen Erfolg eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft, sagt er. Der Aufstieg sei aber zunächst einmal möglich, auch wenn die Mehrheit der Braunschweiger am Sonntag mit Nein stimmen sollte.
