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NWZonline.de Sport Fußball

Der Unterschied-Spieler

21.11.2017

Bremen André Breitenreiter schaute ziemlich bedröppelt drein. Durchnässt vom Bremer Dauerregen und durchgeschüttelt von Werders Sturmlauf suchte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 am späten Sonntagabend nach Erklärungen für die heftige 0:4-Klatsche – und nannte dabei immer wieder einen Namen. „Max Kruse ist der Bremer Unterschied-Spieler, das haben wir gewusst, aber nicht verhindert. Er hat sich immer in den Zwischenräumen bewegt, wo wir ihn nicht packen konnten.“

Das Lob des gegnerischen Trainers war nur eine von vielen Huldigungen, die Kruse nach seinem lupenreinen Hattrick zwischen der 55. und 78. Minute erfuhr. „Er hat vor dem Tor brutale Qualitäten, das haben nicht viele“, sagte Maximilian Eggestein. „Max hat gezeigt, wie wichtig er für uns ist und in den nächsten Wochen hoffentlich noch wird“, meinte Fin Bartels.

Die Gala bei Werders erstem Saisonerfolg belegte vor allem eins: Mit einem Kruse in Bestform spielt die gesamte Mannschaft auf einem höheren Level. Der 29-Jährige glänzt nicht nur durch seine Kaltschnäuzigkeit, sondern kann seine Mitspieler auch einsetzen und die Fans mitreißen – und ist damit wohl der einzige Spieler im Bremer Kader mit der Qualität, den Unterschied auszumachen.

Kohfeldt stärkt Kruse

„Jeder sieht, dass er nicht der klassische Stürmertyp ist, der nur mit dem Rücken zum Tor steht“, charakterisierte Florian Kohfeldt seinen Hoffnungsträger. Kruses Leistungsexplosion ist sicher auch ein Verdienst des neuen Bremer Cheftrainers, weil dieser das Spiel hinter die Viererkette, in die Tiefe des Raumes, gezielt forciert und im Training wieder und wieder einstudiert hat. „Es ist ein sehr angenehmes, aber auch forderndes Arbeiten mit ihm, weil Max ein Spieler ist, der viel wissen und erklärt haben möchte“, sagte Kohfeldt.

Unter Vorgänger Alexander Nouri war Kruse zu Saisonbeginn aufgrund der defensiven Grundausrichtung oft zu sehr auf sich allein gestellt. Dann brach sich der Linksfuß am vierten Spieltag im Heimspiel gegen Schalke 04 das Schlüsselbein, wurde in den darauffolgenden vier Partien, in denen Werder nur einen Treffer erzielte, schmerzlich vermisst. Als Kruse wieder zurückkam, war bei Werder längst der Wurm drin, der exzentrische Angreifer wirkte zudem unzufrieden auf dem Platz. Die Beziehung zu Nouri soll angespannt gewesen sein.

„Endlich wieder Fußball“

Erst mit dem Wechsel zu Kohfeldt blüht er auf. „Wir spielen endlich wieder Fußball“, hatte Kruse bereits nach dem unglücklichen 1:2 in Frankfurt gesagt – und wiederholte diese Aussage noch einmal nach dem Dreier gegen Hannover. Der Seitenhieb auf Defensiv-Ausrichter Nouri war deutlich hörbar.

Unter Kohfeldt spielt Werder grundsätzlich offensiver. Kruse bekommt im Sturmzentrum alle Freiheiten, lässt sich häufiger fallen, um das Spiel mitzugestalten, weicht aber auch immer wieder auf den Flügel aus. Von den Außen kommen die laufstarken Bartels und Zlatko Junuzovic, um ihn zu unterstützen. Beide passen deswegen so gut zu Kruse, weil dieser die Laufwege seiner Kollegen erkennt und sie auch einfordert – wie vor dem 1:0, als Kruse lange wartete, um im richtigen Moment auf den sprintenden Bartels durchzustecken.

Auch die Zahlen belegen, wie unverzichtabar Kruse an der Weser ist. Seit seiner Rückkehr im Sommer vergangenen Jahres hat Kruse in 35 Pflichtspielen 19 Tore für Werder erzielt, neun weitere Treffer bereitete er vor. In den zwölf Partien, in denen Kruse einmal oder mehrmals traf, ging seine Elf neunmal als Sieger vom Platz.

Torjäger mahnt

Der Dreierpacker selbst gab sich betont gelassen nach seiner Show. „Wir müssen auf dem Teppich bleiben, wir sind mitten im Abstiegskampf“, mahnte Kruse. Es sei schließlich nur der erste Sieg, und für diesen habe man sich viel zu lange Zeit gelassen. Er persönlich fühle sich wieder besser auf dem Platz. „Nach der Verletzung habe ich ein paar Spiele gebraucht, um wieder reinzukommen“, berichtete Kruse, „aber jetzt bin ich wieder bei 100 Prozent.“

Für Werder sind das exzellente, aber auch unverzichtbare Nachrichten. Denn um aus dem Tabellenkeller zu kommen, brauchen die Bremer ihren Unterschied-Spieler in Bestform.

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