BREMEN - Das könnte knifflig werden im Jahr 2020. Von den Kindern befragt nach den Werder-Helden von einst, die im November 2007 Real Madrid in der Championsliga mit 3:2 (2:1) niederkämpften, wird der dabei gewesene Papa fälschlicherweise stammeln: Ja, das sind natürlich Wiese, Diego, Borowski, Frings, Almeida und Klasnic gewesen.
Vielleicht sollte der Fußball-Bundesligist dieser Erinnerungslücke manch eines Zuschauers vorbeugen und eine Bronzeplakette für einen denkwürdigen Europapokalabend am Weserstadion anbringen. Vander, Pasanen, Naldo, Mertesacker, Fritz, Tosic, Baumann, Vranjes, Jensen, Hunt, Rosenberg und Sanogo hoben am Mittwoch für 90 Minuten die Gesetzmäßigkeiten des Profifußballs auf und bewiesen, dass sich das gemeine Fußvolk „Königliche“ untertan machen kann.
Thomas Schaaf stand nach dem Schlusspfiff auf dem Platz und nahm tief bewegt Anteil an der Freude seiner Spieler und der Werder-Anhänger. „Was das Team mit diesem Personal geleistet hat, war grandios. Man muss einfach sehen, mit welchen Schwierigkeiten diese Mannschaft seit Monaten leben muss. Sie hat diese problematische Situation aber hervorragend angenommen“, sagte der Trainer stolz.
Wie so oft in dieser Spielzeit waren die Bremer personell in höchster Not, doch wieder war der Gemeinschaftssinn guter Fußballer stärker als die Ansammlung herausragender Einzelkönner. „Die deutsche Mentalität war unser Hauptproblem, auch wenn es gar nicht so viele deutsche Spieler waren“, meinte Real-Trainer Bernd Schuster. Die Treffer des Schweden Markus Rosenberg (4.) und des Ivorers Boubacar Sanogo (40.) hielten Real zur Pause auf Distanz. Der deutsche Juniorennationalspieler Aaron Hunt (58.), der durch den Ausfall von Tim Borowski und erstmals nach halbjähriger Verletzungspause in die Startelf rutschte, traf zum 3:1. Die Gästetore erzielten Robinho (14.) und Ruud van Nistelrooy (71.). Mit einem Erfolg im letzten Gruppenspiel bei Olympiakos Piräus am 11. Dezember (20.45 Uhr/Premiere) steht Werder im Achtelfinale der Championsliga.
Die Euphorie wollen die Bremer am Sonnabend (15.30 Uhr) für den Heimsieg gegen den Hamburger SV nutzen. Daniel Jensen, der Spielgestalter Diego glänzend vertrat, freut sich schon: „Der Sieg gegen Real wird uns einen Riesenschub Selbstvertrauen geben.“ Diesen Bremern ist jedenfalls alles zuzutrauen.
