BREMEN - Da waren sie wieder: Die zwei Gesichter von Werder Bremen, die der Fußball-Bundesligist in dieser Saison schon so oft gezeigt hat. Der Ausdruck der Unbeständigkeit und Unkonzentriertheit in der ersten, die mitreißende, spiel- und einsatzfreudige Miene in der zweiten Halbzeit. Gegen den VfL Bochum drehten die Bremer am Sonnabend vor 39 303 Zuschauern im Weserstadion einen 0:2-Pausenrückstand noch in einen 3:2-Sieg um – ein Kraftakt, den Trainer Thomas Schaaf sich und seinem Team vor dem Hinspiel im Halbfinale des Uefa-Cups an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/Sat 1) gegen den Hamburger SV gerne erspart hätte.

„Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie zurückkommen kann, aber es war völlig unnötig. Es kostet viel Kraft, so einen Rückstand aufzuholen“, ärgerte sich Schaaf, der nach dem Erfolg im DFB-Pokal beim HSV Leistungsträgern wie Claudio Pizarro und Mesut Özil zunächst eine Pause gönnte.

Die Elf, die Schaaf in der ersten Halbzeit aufs Spielfeld schickte, enttäuschte die nach dem Einzug ins Pokalfinale euphorisiert ins Stadion gekommenen Werder-Anhänger. „Es ist unsere Pflicht, die Fans in der Liga genauso mitzureißen“, monierte Schaaf, fand bei seinen Spielern aber scheinbar erst in der Pause Gehör.

Die deutliche Ansprache brachte die Bremer nach dem uninspirierten und fahrigen Auftritt auf jeden Fall auf Kurs. „Die Leistung der ersten Halbzeit ist schwer zu erklären. Vielleicht war ein bisschen Müdigkeit dabei, vielleicht waren ein paar Gedanken in Hamburg“, gab Stürmer Hugo Almeida zu, der die Aufholjagd nach den Toren durch Stanislav Sestak (16./44.) mit seinem Anschlusstreffer in der 54. Minute einleitete. „Die Mannschaft hat gezeigt, welche Moral in ihr steckt“, sagte Özil, der den schwachen Kapitän Torsten Frings ersetzte, mehr Kreativität ins Spiel brachte und den Ausgleich durch Naldo (70.) vorbereitete. Neun Minuten später machte Diego die geglückte Aufholjagd mit einem sehenswerten Treffer perfekt.

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