BREMEN - Bundestrainer Joachim Löw hat sich nach der Kritik von Werder-Profi Torsten Frings unbeeindruckt gezeigt und zum Gegenschlag ausgeholt. Man kann sicher sein, dass wir klare Vorstellungen für die einzelnen Positionen haben, konterte der Chefcoach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Richtung des Bremers: Danach beurteilen wir Leistungen.
Nach seiner Galavorstellung am Sonnabend beim 4:2-Sieg in Wolfsburg, bei der der ausgebootete Frings zwei Tore erzielt hatte, giftete der 79-malige Nationalspieler: Dass es in der Nationalmannschaft nicht nur nach Leistungen geht, wissen wir ja alle. Angesichts der Probleme, die Löw im defensiven Mittelfeld hat, könnte Frings durchaus wieder eine Alternative für die WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) werden.
Vor allem mit seiner Routine könnte der 33-jährige Frings der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft weiterhelfen. Denn außer Kapitän Michael Ballack verfügt die Nationalmannschaft über keinen echten Leitwolf, der auch außerhalb des Platzes Stellung bezieht. Der Werder-Kapitän hat die Rückkehr ins Nationalteam indes abgehakt. Meine WM-Hoffnung wurde mir schon lange genommen, sagte Frings: Mein Charakter ist da nicht so sehr gefragt.
Auch beim Thema Kevin Kuranyi bleibt Löw auf Distanz. Ein vorab wohl unerlässliches klärendes Gespräch mit dem von ihm verbannten Schalke-Stürmer, der mit 18 Saisontoren in der Bundesliga die Debatte um seine Begnadigung angeheizt hatte, ist nicht geplant: Muss man sehen. Kann sein, sagte der Bundestrainer lapidar.
An der WM-Nominierung der Streitfälle Miroslav Klose, Lukas Podolski und auch Mario Gomez aber lässt der Bundestrainer keine Zweifel. Ich weiß, dass in dieser Saison die Erfolgserlebnisse bei ihnen nicht sehr häufig waren. Dennoch zweifle ich bei keinem an der Qualität, sagte Löw zur heiß diskutierten Stürmer-Auslese.
Löw legte sich auf fünf Angreifer-Plätze in seinem 23-köpfigen WM-Kader fest: Klose, Podolski und Gomez stellte er quasi schon das Ticket für Südafrika aus. Der Münchner Aufsteiger Thomas Müller hat beste Chancen, und auch England-Legionär Robert Huth darf hoffen.
Bei der Nominierung des vorläufigen Kaders am 6. Mai in Stuttgart will sich Löw trotz vielfältiger Personal- und Terminsorgen auf höchsten. 26 Spieler beschränken. Drei Akteure müssten dann bis 1. Juni gestrichen werden.
