BREMEN - Vorhang auf: An diesem Donnerstag (20.45 Uhr/Sat 1) steigt der zweite Akt des vierteiligen Fußball-Schauspiels Werder Bremen gegen Hamburger SV. Im Weserstadion steht das Halbfinal-Hinspiel im Uefa-Pokal an. Dieses Duell reiht sich ein in die lange Tradition der Nordderbys. Hier ein Rückblick auf die denkwürdigsten Bundesliga-Duelle der beiden Rivalen.
13. Oktober 1963:
Der Tag des Pico Schütz
Der HSV hatte Uwe Seeler, Werder sein Idol Pico Schütz. Dieser hatte zwar nie ein Länderspiel bestritten, doch an diesem Tag stach Pico seinen alten Freund „uns Uwe“ aus. Dreimal traf Schütz, Seeler nur einmal. Zum Schluss hieß es 4:2 für die Bremer, die damit eine stattliche Serie starteten: In alten Oberligazeiten fast immer Verlierer im Duell mit den „Rothosen“, begannen sie mit diesem Sieg eine Erfolgsserie, die der HSV erst neun Spiele später mit dem 4:1 im Volksparkstadion brechen konnte.
13. Februar 1965:
Ein Schritt zum Titel
Gleich mit 4:0 wurde der HSV im Weserstadion abgeschossen. Klaus Matischak und Pico Schütz erzielten die Tore. Es war der 21. Spieltag der Saison mit einem bemerkenswerten Effekt: Erstmals eroberten die Bremer unter ihrem Trainer Willi Multhaup die Tabellenführung, die sie bis zum Schluss nicht mehr abgaben.
22. März 1980:
Der tiefste Fall
Schlimmer ging es nimmer: Mit 5:0 gewannen die Hamburger im Weserstadion. Sie demütigten das Team von Werder-Trainer Fritz Langer auf eine Weise, die sich in der Bundesliga nie wiederholen sollte. Dreimal traf allein „Kopfball-Ungeheuer“ Horst Hrubesch gegen ein Bremer Team mit vielen prominenten Namen (Burdenski, Otten, Geils, Möhlmann, Röber, Reinders), das jedoch nie eine wirkliche Mannschaft war. Der Abstieg war die Folge.
29. Januar 1983:
Das Meister-Duell
Es ging um nicht weniger als die deutsche Meisterschaft. Werder gewann 3:2. Rudi Völler und Frank Neubarth stellten die Weichen auf Sieg. Doch am Ende der Saison lachten die Hamburger: sie wurden Meister – punktgleich mit dem Zweiten Werder Bremen, aber mit dem um acht Treffer besseren Torverhältnis. Die Hamburger sicherten sich die Schale mit einem 2:1 am letzten Spieltag bei den schon abgestiegenen Schalkern. Das Tor zum 2:1, das die Meisterschaft entschied, schoss Wolfgang Rolff, Werders heutiger Co-Trainer.
29. Mai 1993:
Hoeneß schäumt
Uli Hoeneß konnte es nicht glauben. „Das war Nachbarschaftshilfe“, schimpfte der Manager des FC Bayern, weil Werder den Hamburger SV gleich mit 5:0 nach Hause geschickt hatte. Denn Werder hatte wegen dieses Kantersiegs (Tore Völler, Rufer – je 2 – und Kohn) die Münchner an der Spitze abgelöst – wegen eines einzigen Törchens mehr. Das geschah am vorletzten Spieltag. Eine Woche später allerdings wurde deutlich, dass es letztlich nicht auf das Torverhältnis ankam. Werder gewann in Stuttgart 3:0, die Bayern schafften in Schalke nur ein 3:3.
1. Mai 2004:
Der Rekordsieg
Letztlich ist es nur einer von vielen Höhepunkten in Werders Double-Saison. Mit 6:0 wurde der HSV nach Hause geschickt – es war Werders höchster Sieg in einer Saison, in der praktisch alles glückte. Bemerkung am Rande: In dieser Werder-Elf stand nur ein Spieler, der auch heute noch zum Bremer Aufgebot zählt: Frank Baumann. Die Zeiten ändern sich schneller als viele glauben.
13. Mai 2006:
Ailtons Fehlschuss
Es ging um die Champions League, in die nur der Sieger dieses Duells am letzten Spieltag einziehen würde. Alles sprach für den Gastgeber HSV. Dieser spielte überlegen, doch beim Stande von 1:1 stöhnten die HSV-Fans auf. Ailton hatte am leeren Bremer Tor vorbeigeschossen. Es war jener Ailton, der zwei Jahre zuvor noch im Werder-Trikot gespielt hatte, dabei für Bremen aus fast allen Lagen traf und Bundesliga-Torschützenkönig geworden war.
Doch dann begann die Odyssee des Brasilianers durch ein halbes Dutzend Clubs. Er erreichte nie wieder die Klasse, die er in Bremen hatte. Zurück zum Spiel: Miroslav Klose, schon leicht verletzt ins Spiel gegangen, machte kurz vor Schluss Werders 2:1-Sieg perfekt, und Hamburg trug Trauer.
