BREMEN - Viele enttäuschte Zuschauer hatten das Stadion des VfL Wolfsburg in der Schlussphase bereits verlassen und sich auf den Heimweg gemacht. Nichts war es offenbar geworden mit der Sensation gegen den großen Favoriten Werder Bremen. Da ertönte kurz nacheinander dreimal lauter Torjubel von den im Stadion ausharrenden Besuchern. Dadurch neugierig geworden, kehrten zahlreiche Fans ins Stadion zurück und trauten kaum ihren Augen: Der damals drittklassige VfL Wolfsburg hatte im November 1987 in den Schlussminuten der Pokal-Zweitrunden-Partie gegen den scheinbar übermächtigen Fußball-Bundesligisten Werder aus einem 1:4-Rückstand noch ein 4:4 gemacht. So gab es einen Nachschlag in Form einer 30-minütigen Verlängerung. Darin traf Frank Ordenewitz schließlich zum 5:4 für den Favoriten. Der tapfer kämpfende Außenseiter durfte sich nach Spielschluss aber trotz der Niederlage vom nun wieder vollständig versammelten Publikum feiern lassen. Die kompletten 120 Minuten absolvierte auf Seiten der Bremer übrigens ein damals 26-jähriger Verteidiger: Thomas Schaaf.

Knapp 23 Jahre später begegnen sich Wolfsburg und Bremen (mit Trainer Thomas Schaaf) auf Augenhöhe, ein Favorit ist vor der Bundesliga-Partie an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) nicht mehr auszumachen. Der Meister hat sieben der jüngsten acht Ligaspiele gewonnen, zudem ist Stürmer Edin Dzeko mit zwölf Rückrunden-Toren treffsicherster Spieler der Bundesliga im Jahr 2010. Werder wiederum hat bei zwölf Ligaspielen in Wolfsburg bereits 26 Treffer erzielt – so viele, wie kein anderer Club.

„Beide Teams sind offensiv ausgerichtet“, sagt Schaaf, meint damit aber nur die Konstellation vor dem Spiel an diesem Sonnabend. Denn dass bei Spielen zwischen den beiden Teams viele Tore fallen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Duelle der Clubs: Außer dem Neun-Tore-Spiel von 1987 dürfte vielen Fans auch noch Werders 7:2-Bundesligasieg in Wolfsburg vom September 1999 in Erinnerung sein. Es war die erste komplette Saison unter Trainer Schaaf, Claudio Pizarro erzielte damals drei Tore. Und am letzten Spieltag der vergangenen Saison gab es zur Wolfsburger Meisterfeier immerhin ein 5:1 für den VfL.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)