BREMEN - Wenn er joggt, wird das Knie nach spätestens einer halben Stunde dick, und er muss aufhören. „Schmerzen habe ich eigentlich immer“, sagt Valerien Ismael. Weil ihm die Ärzte keine Hoffnung auf nachhaltige Besserung machen konnten, hat er seine Profi-Laufbahn beendet – mit 33 Jahren, obwohl er selbst sagt: „Drei, vier Jahre hätte ich noch gut machen können, denn sonst fehlt mir nichts.“
Doch das Knie des Franzosen, dessen zwei Bremer Jahre mit Werders größtem Erfolg, dem Double 2004, eng verbunden sind, ist irreparabel geschädigt. Also hat sich Ismael, ursprünglich ausgebildeter Lehrer, entschlossen, wieder zu lernen: „Derzeit lerne ich, wie ein Bundesligaverein funktioniert“, sagt er. „Lehrherr“ ist sein letzter Verein, Hannover 96, dort arbeitet er, durchläuft alle Abteilungen des Vereins. „Ich hoffe, in eine Management-Aufgabe hineinzuwachsen“, sagt er und fügt an: „Vom Fußball verstehe ich viel, das andere lerne ich jetzt.“
Er stellt sich eine berufliche Herausforderung in Deutschland vor, denn Valerien Ismael hat sich entschieden, auch künftig in seinem Gastland zu bleiben. Aus zwei Gründen: „Die Mentalität der Deutschen sagt mir sehr zu. Und außerdem lebe ich seit meiner Bremer Zeit mit einer Bremerin zusammen“, erzählt er. Er sagt es in perfektem Deutsch, was schon erstaunlich ist. „Als Klaus Allofs mich damals besuchte, konnte ich noch kein Wort. Aber zum Glück sprach er französisch.“ Das war im Frühjahr 2003 im elsässischen Straßburg, wo Ismael gerade unter Vertrag stand. „Allofs hat mir ein Jahrbuch von Werder mitgebracht und mir ansonsten erzählt, wie toll Bremen sei“, erinnert sich Ismael.
Der Vortrag des aktuellen Vorsitzenden muss überzeugt haben, Ismael wechselte nach Bremen. Rund 700 000 Euro überwies Werder damals an Straßburg, zwei Jahre später verzehnfachte sich der Ablöse-Betrag: Ismael war nicht der erste und wohl auch nicht der letzte Werderaner, den die Bayern aus dem Vertrag heraus kauften.
An die Zeit in München denkt er auch gerne zurück. „Ich war Stammspieler, bis ich mir 2006 das Bein brach“, erinnert er sich. Bis dahin hatte er das Kunststück von Bremen wiederholt und auch mit den Münchnern unter Felix Magath das Double gewonnen.
Der Beinbruch war der Anfang einer offenbar unendlichen Krankengeschichte. Zehn Monate dauerte es, ehe er nach diversen Komplikationen wieder das Training aufnehmen konnte. Erst im April 2007 stand er in der Bundesliga wieder auf dem Platz, fühlte sich fit. Im Januar 2008 wechselte Valerien Ismael, nachdem er in München nicht mehr zur Stammelf gehörte, zu Hannover 96. Und erlitt dort einen Knieschaden, der – siehe oben – bis heute nicht behoben ist.
An Bremen jedoch hat er nach wie vor die besten Erinnerungen. „Weil es emotional so neu und so einmalig war“, sagt er. Gefragt nach seinen unvergesslichen Spielen, fallen ihm sofort zwei ein: „Der 3:1-Sieg, mit dem wir uns in München die Meisterschaft gesichert haben. Und dann natürlich mein Tor in Dortmund.“ Dazu ist zu sagen: Beim 1:2 in Dortmund köpfte Ismael den Ball ins eigene Tor – unbedrängt, unhaltbar und natürlich völlig überflüssig.
