BREMEN - Als Bremens Marko Marin in der 83. Spielminute den Rasen im mit 35 500 Zuschauern ausverkauften Weserstadion verließ, um für Daniel Jensen Platz zu machen, erhoben sich die begeisterten Werder-Fans von ihren Sitzen und feierten den Dribbelkünstler in außergewöhnlicher Art und Weise für seine engagierte Leistung und sein Durchhaltevermögen.

Vom Anpfiff des Bundesliga-Heimspiels am Sonnabend gegen den 1. FC Köln an hatten viele der mitgereisten Fans den 21-Jährigen wegen seiner Vergangenheit bei deren Erzrivalen Borussia Mönchengladbach niedergepfiffen und aufs Übelste beleidigt. Aus dem Gästeblock im Oberrang der Westkurve schallten über die gesamte Spieldauer hinweg Hassgesänge, sobald Marin nur in der Nähe des Spielballs war.

Der Nationalspieler behielt jedoch kühlen Kopf und bereitete das 1:0 durch Torsten Frings nach einer guten halben Stunden indirekt vor. Kölns Petit hatte den Bremer im Sechzehnmeterraum zu Fall gebracht und Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) zurecht auf Strafstoß entschieden. „Das war ein ganz klarer Elfmeter“, entgegnete Marin nach Spielschluss allen Spekulationen um eine mögliche Schwalbe. „Er tritt mich unten und hält mich oben fest.“

Als die Schmähungen gegen Marin erneut aufflammten und Überhand zu nehmen drohten, zeigte das Bremer Publikum eine bemerkenswerte Reaktion. Von den Zuschauern unterhalb des Gästeblock ausgehend feierten die Werder-Fans im gesamten Stadion „ihren“ Mittelfeldspieler mit anhaltenden Sprechchören, die die Beleidigungen der FC-Anhänger bei weitem übertönten.

„Ich denke, wir haben auf dem Platz die richtige Antwort gegeben“, wollte Marin nicht noch zusätzliches Öl ins Feuer gießen. Auf die Frage, ob er schon einmal solch einen Hass gegen sich erfahren habe, entgegnete Marin mit einem Augenzwinkern: „Im letzten Jahr waren es doch auch schon die Kölner.“

Ähnlich schwach wie ein Großteil ihrer Fans präsentierte sich auch die Mannschaft des FC. „Wir haben nicht konzentriert genug gespielt“, monierte Kölns Trainer Zvonimir Soldo enttäuscht. „Derzeit fehlt es bei uns einfach an Selbstvertrauen.“