BREMEN - BREMEN - Jede seiner Ballberührungen quittierten die Werder-Fans mit einem Pfeifkonzert. Zudem hallten angesichts der Degradierung von Oliver Kahn zum Ersatz-Torwart des deutschen Fußball-Nationalteam immer wieder Spottgesänge durch das Oval des Weser-Stadions: „Ohne Olli fahr’n wir zur WM“ oder „Auswechselspieler, du bist nur Auswechselspieler“.
Kahn ließ das alles jedoch kalt, konzentrierte sich voll auf seine Aufgabe im Bundesligaspiel seines FC Bayern gegen Bremen, und lieferte trotz des 0:3 eine starke Leistung ab. „Die Bayern-Spieler sind in Bremen im allgemeinen nicht so angesehen. Das hat nichts mit Kahn zu tun“, erklärte Werder-Stürmer Miroslav Klose.
Akribisch bereitete sich Kahn auf das Spiel vor. Als erster betrat er schon 60 Minuten vor dem Anpfiff den Rasen und absolvierte gemeinsam mit Bayern-Ersatzmann Michael Rensing ein intensives Aufwärmprogramm. Dabei war ihm die Nervosität deutlich anzumerken. In der ersten Halbzeit musste Kahn auch noch vor der Ostkurve der Werder-Fans spielen.
Seine gefürchteten Vulka(h)n-Ausbrüche – man erinnere sich nur an die Kung-Fu-Einlage gegen Dortmunds Stephane Chapuisat oder den Biss in den Hals von Heiko Herrlich im gleichen Spiel am 3. April 1999 – blieben allerdings aus. Fast jedenfalls. Nur einmal verlor der „Titan“ die Beherrschung als er Nelson Valdez nach einem Zweikampf per Ringergriff zu Boden zerrte (14.).
Ein weiterer Gast unter den 42 100 Zuschauern musste sich ebenfalls bittere Worte gefallen lassen: Jürgen Klinsmann, der gemeinsam mit seinem Co Joachim Löw im Stadion weilte. Mit „Klinsi raus“-Rufen und -Plakaten empfingen die Bayern-Fans den Bundestrainer.
Auch die Bayern-Offiziellen attackierten Klinsmann. „Das war nicht in Ordnung“, erboste sich Manager Uli Hoeneß über die Entscheidung zugunsten von Jens Lehmann als Nummer eins des Nationalteams. „Jens wusste das seit anderthalb Jahren. Deshalb war er auch nicht überrascht.“ Dennoch riet Hoeneß seinem Torwart, auch als Nummer zwei zur WM zu fahren. Kahn kündigte derweil an, sich in „drei bis vier Wochen“ über seine Zukunft in der DFB-Elf zu äußern.
