BREMEN - Hängende Köpfe, mieses Klima, Ratlosigkeit: Nach der mehr als bitteren 0:3 (0:1)-Pleite gegen Mainz 05 und dem Sturz auf Rang acht herrscht bei Fußball-Bundesligist Werder Bremen Alarmstimmung. Den Hanseaten, die durch die höchste Heimniederlage seit viereinhalb Jahren erstmals seit dem zweiten Spieltag der aktuellen Saison nicht auf einem Platz stehen, der am Saisonende zum Start im Europacup berechtigen würde, droht das zweite Jahre ohne internationalen Wettbewerb in Folge.
Europa ist gefährdet. Wenn wir so spielen, schaffen wir es bestimmt nicht, sagte Werder-Manager Klaus Allofs, dem ohne die Aussicht auf das internationale Geschäft in den Verhandlungen mit potenziellen Zugängen wie auch aktuellen Spielern wichtige Argumente fehlen. 13 Verträge laufen aus, insbesondere der Verbleib von Claudio Pizarro ist ungeklärt.
Neben der Zukunft des Torjägers gibt es weitere Baustellen im Kader. Unter anderem stehen auch Kapitän Clemens Fritz und Nationalkeeper Tim Wiese noch immer ohne gültigen Kontrakt für die nächste Saison da. Ich möchte nichts mehr zu Vertragsverhandlungen hören. Die Spieler sollen jetzt nur noch darüber reden, wie wir uns insgesamt verbessern können, will Allofs allerdings den Fokus nun ausschließlich auf die sportliche Situation richten und ist sich sicher: Wir werden auch in der nächsten Saison einen genügend großen Kader mit genügend Qualität haben.
Die Leistungsstärke des aktuellen Kaders stimmt allerdings nicht nur die Fans, die schon weit vor dem Abpfiff des Spiels gegen Mainz in Scharen das Weserstadion verließen, sondern auch Allofs bedenklich. Wir müssen unsere Naivität ablegen, schimpfte der Manager. Die Mannschaft habe einen möglichen Erfolg sehr leichtfertig verspielt. Auch Thomas Schaaf fand deutliche Worte: Nach dem ersten Gegentor sind wir völlig von unserem Spiel abgekommen. Den Schuh müssen wir uns anziehen, dass wir ganz schlecht gespielt haben.
Nach dem 0:1 durch Adam Szalai (19. Minute) kamen die von Trainer Thomas Tuchel hervorragend auf das statische Werder-System eingestellten Mainzer in der zweiten Halbzeit durch den eingewechselten Eric Maxim Choupo-Moting zu zwei weiteren Treffern (48., 74.). Beim 0:3 sorgten Wiese und Fritz, die sich gegenseitig über den Haufen rannten, für eine aus Bremer Sicht eher minderkomische Slapstick-Einlage.
Wir wurden für eine engagierte Leistung belohnt, wir waren wacher und fleißiger, resümierte Tuchel mit einem breiten Grinsen, nachdem sich seine Mannschaft mit ihrem ersten Auswärtserfolg nach zwölf Spielen ohne Sieg wieder etwas Luft im Abstiegskampf verschafft hatte.
Die Werder-Bilanz nach der Winterpause ist insgesamt ernüchternd. Nach Platz fünf und sieben Punkten Vorsprung auf Rang acht zum Hinrundenabschluss ist das Klassenziel nach den jüngsten Ergebnissen gefährdet. Rivalen wie Stuttgart und Hannover sind vorbeigezogen. Auch die nun punktgleichen Wolfsburger gehen mit Rückenwind in den Saison-Endspurt, während die Bremer nach zuletzt zwei Siegen aus elf Spielen nach der Winterpause nach dem Rettungsanker suchen.
Wir haben den Vorsprung verspielt, den wir uns in der Hinrunde erarbeitet hatten, blickte Kapitän Fritz enttäuscht zurück. Die Situation sei aber keineswegs aussichtslos, wir sind nicht abgeschlagen, meinte der Kapitän mit Blick auf den weiterhin engen Kampf um die Europacup-Plätze. Wenn das gesamte Potenzial abgerufen wird, haben wir das Zeug für die Europa League, sagte Allofs: Aber wenn wir weiter mitmischen wollen, müssen wir unsere Möglichkeiten voll ausschöpfen.
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