BREMEN - Tim Wiese setzte den Punktgewinn leichtfertig aufs Spiel. Kurz vor dem Abpfiff holte der Torwart Radu im Strafraum von den Beinen.

Von Olaf Ulbrich

BREMEN - Grippe-Alarm bei Werder: Kaum war der Abpfiff nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Energie Cottbus am Sonnabend verklungen, da eilten die durchnässten Bremer Bundesliga-Fußballer flugs in die Kabine. Gerade für ein flüchtiges Winken in Richtung der Fans und zum Trikottausch mit den Gästen war Zeit.

Anstatt zum Auslaufen schickte Trainer Thomas Schaaf seine Mannen direkt unter die heiße Dusche. „Die Erkältungsgefahr war zu groß. Wir wollten auf Nummer sicher gehen“, klärte Werder-Sprecher Tino Polster auf.

Beinahe hätte Schaaf eine B-Elf auf das Feld schicken müssen. „Wir hatten schon zwei Spieler aus der Amateur-Mannschaft informiert“, erläuterte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. Gleich mehrere Spieler kränkelten: Der Einsatz von Miroslav Klose, Ivan Klasnic, Naldo, Pierre Wome und Clemens Fritz entschied sich erst kurz vor dem Anpfiff. Im Spiel war ihnen die Schwächung deutlich anzumerken. Alle blieben weit unter ihren Möglichkeiten.

Putzmunter – fast zu munter – präsentierte sich dagegen Torwart Tim Wiese. „Gegen so einen Gegner muss man gewinnen“, kommentierte er den Punktgewinn gegen den Aufsteiger. Diesen hatte der exzentrische Keeper kurz vor dem Abpfiff aber selbst noch in Gefahr gebracht. Im Strafraum foulte er im Zweikampf Sergiu Radu. Der Elfmeterpfiff des schwachen Referees Babak Rafati (Hannover) blieb aber aus.

„Ich glaube, dass ich den Ball berührt habe“, sagte Wiese mit einem verschmitzten Lächeln. Ganz sicher war er sich aber nicht. Sein Vertrauen galt dem Schiedsrichter, der zuvor mit zahlreichen umstrittenen Entscheidungen für Aufruhr auf den Rängen und dem Spielfeld gesorgt hatte: „Er stand sieben Meter weit weg und wird es schon richtig gesehen haben.“

„So, wie wir gespielt haben, können wir mit dem Unentschieden zufrieden sein“, brachte es Stürmer Aaron Hunt auf den Punkt. Erst in der 76. Minute glich der eingewechselte Ivan Klasnic nach einer Vorlage von Hugo Almeida das Cottbuser 1:0 durch Francis Kioyo (49.) aus. „Ich hoffe, das Tor gibt beiden Schub für die nächsten Wochen“, spornte Allofs die derzeitigen Reservisten an.

Nun hoffen die Werder-Verantwortlichen, dass die Grippe-Welle bis morgen (20 Uhr) zum Spiel beim 1. FC Nürnberg abebbt. „Es darf nicht schlimmer werden“, sorgt sich Allofs. Die Mannschaft stellt wohl diesmal der Team-Arzt auf. Nur er kann den Grippe-Alarm aufheben.