BREMEN - Lediglich zehn Minuten dauert das Pressegespräch mit Tim Wiese. Der Torhüter soll in dieser Zeit erklären, warum er sich gegen einen Verbleib bei Werder Bremen entschieden hat, und man merkt ihm an, dass ihm diese Situation nicht gefällt. Tim Wiese, der sonst so sicher wirkende Tormann, ist nervös. Der 30-Jährige greift kurz zum Mikrofon und fährt sich immer wieder durchs Haar. Das macht ihm hier alles keinen Spaß. Zuvor war bekannt geworden, dass der sechsfache Nationalspieler den Fußball-Bundesligisten nach Auslaufen seines Vertrages im Sommer verlassen wird.
Die Aussagen der Nummer eins im Pressegespräch machen schließlich deutlich, was zuvor schon den Angaben von Geschäftsführer Klaus Allofs zu entnehmen war: Es gab nie ein Angebot des Vereins, und ob es in den kommenden Wochen eines gegeben hätte, war sehr ungewiss. Man war sich bei Werder eben nicht sicher, ob man nicht auch ohne den kostspieligen Torwart auskommen könnte. Wiese zählt zu den teuersten Spielern der Mannschaft. Sein Jahresgehalt wird auf knapp drei Millionen Euro geschätzt. Und für eine Vertragsverlängerung hätte er als Leistungsträger gern noch einen Aufschlag kassiert.
Da aber in den vergangenen Wochen kein Angebot von Werder bei ihm eingegangen war, traf Wiese nun die Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden. „Ich habe immer gesagt, dass ich bis zum April gern Klarheit hätte“, erklärt der Torhüter.
Wiese erweckt in diesen Tagen den Eindruck, dass er nicht sagt, was er wirklich über seinen Abschied denkt. Vermutlich nimmt er die Trennung nämlich keineswegs locker, sondern ist verärgert darüber, dass der Verein ihm kein Angebot gemacht hatte. Ob er enttäuscht sei, wollen die Reporter deshalb von ihm wissen. Nein, meint Wiese, er kenne ja die Lage. „Mit den Finanzen, da wird ja auch immer gemunkelt“, schiebt er dann hinterher. Er vermutet wohl nicht zu Unrecht, dass sich der Verein einen Torhüter Wiese nicht mehr leisten kann oder zumindest nicht leisten will.
Als Impulsgeber für andere Vertragsverlängerungen fällt Wiese damit aus. Und ob die Leistungsträger Claudio Pizarro, Clemens Fritz und Sebastian Prödl nun in Bremen eine Perspektive sehen, ist fraglich.
Wohin sein Weg führt, will Wiese noch nicht verraten. „Ich gehe davon aus, dass ich wieder Champions League spielen werde“, sagt er. Das macht Schalke 04 und den AC Mailand zu möglichen Kandidaten. Der VfL Wolfsburg erfüllt dieses Kriterium dagegen nicht.
Neue Nummer eins im Werder-Tor könnte die bisherige Nummer zwei, Sebastian Mielitz (22), werden. Auch über eine Verpflichtung von Kevin Trapp (21/1. FC Kaiserslautern) wird in Bremen spekuliert.
