BREMEN - Als Marko Arnautovic in Bremen vorgestellt wurde, rollte ihm Werder Bremen quasi einen roten Teppich aus. 6,5 Millionen Euro hat Clubchef Klaus Allofs für den Österreicher locker gemacht, voller Überzeugung, einen Top-Transfer gelandet zu haben. Etwas über zwei Monate später macht an der Weser das Wort vom „weißen Carlos Alberto“ die Runde. Ein böser Vergleich mit dem Problem-Brasilianer, der im Sommer 2007 für 7,8 Millionen verpflichtet wurde, aber nur durch Eskapaden und Verletzungen für Aufsehen sorgte.
Das soll sich bei Arnautovic nicht wiederholen. Also gibt es Klartext für den 21-Jährigen: „Marko muss lernen, sich einzufügen. Da hat er Nachholbedarf“, sagte Allofs. Schon Erfolgstrainer Jose Mourinho, der ihn bei Inter Mailand trainierte, urteilte: „Er ist ein toller Typ mit der Mentalität eines Kindes.“
Trainer Thomas Schaaf war zum Ende des Trainingslagers in Österreich der Kragen geplatzt, als Arnautovic über eine Schiedsrichterentscheidung moserte. Liegestütze, Straflaufen, der Coach wurde zum Drillsergeant. „Er muss verstehen, dass er auf sich aufpassen muss“, meinte der 49-Jährige.
Dass Arnautovics Auftreten den Bremern klar gegen den Strich geht, wurde deutlich, als Kapitän Torsten Frings seinen Kollegen namentlich kritisierte. Wenn das bei Werder passiert, hängt der Haussegen schief. „Seine eigenwillige Art wird in Bremen nicht gut ankommen“, sagte Frings.
Mit konditionellem Rückstand soll Arnautovic in Bremen angetreten sein. Nach seiner Einwechslung im Fulham-Spiel (1:5) trabte er uninspiriert über den Platz und zog sich wie auch andere den Zorn der Verantwortlichen zu. „Einige sind nicht zu 100 Prozent dabei. Wenn man zuerst an sich und dann ans Team denkt, kann das fatale Folgen haben. Ohne die Bereitschaft mitzuziehen, haben sie keine Zukunft hier“, sagte Allofs.
Nun ist es ja nicht so, dass Arnautovic mit dem Ruf eines Musterknaben nach Bremen gekommen wäre. Im Dezember 2009 warfen ihm die ehemaligen österreichischen Nationalmannschaftstrainer Josef Hickersberger und Herbert Prohaska schlechtes Benehmen sowie mangelnde professionelle Einstellung vor.
Dennoch haben sich die Werder-Verantwortlichen dafür entschieden, es mit dem Talent zu wagen. „Wir gewähren Marko eine Schonfrist“, sagt Allofs. Trainer Schaaf vertraut auf seine pädagogischen Fähigkeiten: „Wir werden das schon hinbekommen, dass ihn alle lieb haben werden.“
