BREMEN - Wenn ein Fußball-Bundesligist sich anschickt, dem Branchenprimus FC Bayern über ein oder mehrere Jahre ernsthaft Konkurrenz an der Spitze zu machen, hat das in der jeweiligen Region eine riesige Euphorie zur Folge derzeit bei Borussia Dortmund zu beobachten. In schöner Regelmäßigkeit kommt dann aber irgendwann der Punkt, ab dem es wieder abwärts geht und ein anderer den ersten Bayern-Verfolger geben darf.
Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Köln, der Hamburger SV und auch die inzwischen wieder so starken Dortmunder haben in den vergangenen Jahrzehnten solche Höhen erlebt und sind danach abgestürzt einige davon für ein paar Jahre sogar bis in die 2. Liga.
Von einem solch tiefen Fall bleibt der langjährige, inzwischen aber einstige Titelaspirant Werder Bremen in dieser Saison verschont, doch die Leistungen in dieser Spielzeit machen deutlich: Die fetten Jahre bei Werder sind vorbei. Genauer genommen ist die aktuelle Saison bereits das zweite magere Jahr in Folge. Bibelfesten Werder-Fans mag für die nächsten fünf Jahre Böses schwanen, wenn sie sich daran erinnern, dass das Team von 2003 bis 2010 sieben Jahre lang tollen Fußball gezeigt hatte. Stellvertretend für diese Ära stehen Johan Micoud, Miroslav Klose, Diego und Mesut Özil, die das Publikum im Weserstadion und weit darüber hinaus entzückten. Bremen war fester Bestandteil der europäischen Fußball-Landkarte, in der Champions League waren Inter Mailand, der FC Chelsea, der FC Barcelona und Real Madrid an der Weser zu Gast.
Die Spielzeit 2010/11 begann Werder noch als Champions-League-Teilnehmer, geriet nach schwachen Leistungen verbunden mit dem frühen Aus in der Königsklasse schließlich in der Bundesliga sogar noch in Abstiegsgefahr.
Dass die vergangene Saison kein Betriebsunfall war, wird nunmehr deutlich. Vielmehr droht der Verein derzeit Tabellenachter in einer Spirale nach unten gezogen zu werden. Die fehlenden Einnahmen aus dem Europapokal haben ein Abwandern der Stars zur Folge. Per Mertesacker ging bereits im vergangenen Jahr. Tim Wiese wird den Club dieses Jahr verlassen, möglicherweise gemeinsam mit anderen Leistungsträgern wie Claudio Pizarro.
Werder-Trainer Thomas Schaaf hat seinen Vertrag kurz vor Weihnachten bis 2014 verlängert. Sollte der 50-Jährige sich aber eingestehen, nichts mehr bewegen zu können, würde er vermutlich kaum auf der Erfüllung dieser Dienstzeit bestehen. Der sich ständig hinterfragende Schaaf ist nach wie vor davon überzeugt, seine Ideen umsetzen zu können. Das Umfeld bietet dafür in der kommenden Saison aber voraussichtlich keine besseren Bedingungen als in diesem Jahr.
Eine für Werder positive Nachricht verkündete am Montag Geschäftsführer Klaus Allofs. Der Club hat Verteidiger Sokratis fest verpflichtet. Der Grieche war bislang vom FC Genua an Werder ausgeliehen. Er kostet rund 3,5 Millionen Euro Ablöse und erhält einen Vierjahresvertrag.
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