BREMEN/HAMBURG - 24 Stunden vor dem ersten von vier Nordderbys binnen 19 Tagen wollte sich keiner in die Karten schauen lassen. „Das müssen wir abwarten“, antwortete Martin Jol, Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, auf die Frage nach der Taktik im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF). „Drumherum ist viel Leben. Es gibt viele Emotionen und viel Gerede“, philosophierte Werder- Chefcoach Thomas Schaaf.
Der Poker ist eröffnet. Den höchsten Einsatz warf gleich Bremens Torwart Tim Wiese auf den Tisch. „Die wichtigen Spiele verlieren sie immer“, gab sich der 27-Jährige selbstbewusst: „Ich glaube, in Hamburg geht die Angst um.“
Provoziert fühlte sich Jol davon aber nicht. „Angst ist kein guter Ratgeber“, entgegnete der 53-jährige Niederländer. Und auch der als Hitzkopf bekannte HSV-Kapitän David Jarolim, der am Dienstag seinen Vertrag bis 2012 verlängerte, blieb gelassen: „Wir werden die Antwort auf dem Platz geben.“
Schaaf maß dem Säbelrasseln seines Torwarts keine Bedeutung bei. „Das ist halt Tims Art. Wir konzentrieren uns voll auf uns und fragen nicht, wie viele Spiele wir gewinnen werden. Wir sind total auf diese Partie fokussiert.“
Anders als im Uefa-Cup und der Meisterschaft entscheidet nur dieses eine Spiel über den Einzug ins Finale des DFB-Pokals am 30. Mai in Berlin. „Individuell sind wir sicher nicht besser besetzt. Unser Vorteil ist, dass wir zu Hause spielen“, vermutet Jol den Vorteil auf seiner Seite.
Personell hat sich die Lage bei beiden Mannschaften wieder entspannt. Die Bremer können auf ihre Mittelfeldstars Diego und Mesut Özil zurückgreifen. Beim HSV kehrt der zuletzt an einer leichten Grippe erkrankte Dennis Aogo zurück.
Vor allem Diego zeigte sich hoch motiviert. „Es ist ein Traum von uns, ins Finale zu kommen, und ich bin sehr optimistisch, dass wir das auch schaffen können“, sagte der Brasilianer nach dem Abschlusstraining am Dienstag.
Die Hamburger Polizei stufte das Nordderby derweil als Risikospiel ein. Wie beim letzten Duell werden mehrere hundert Beamte im Einsatz sein. HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer appellierte an die Anhänger beider Clubs, sich fair zu verhalten: „Trotz aller Rivalität hoffe ich, dass der Fangedanke hoch gehalten wird.“ Dem schloss sich Schaaf an: „Emotionen im Umfeld sind gut. Ich hoffe, dass es bei all den Emotionen friedlich bleibt.“
