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NWZonline.de Sport Fußball

Vom Schlachtfeld bis nach Wembley

13.03.2019

Bremen /Oldenburg Was Männer denn so aufregend an Fußball finden, will Margaret Friar von Bernhard Trautmann, genannt Bert (dargestellt von David Kross), wissen. Warum Frauen so gerne tanzen, antwortet er mit einer Gegenfrage. „Tanzen ist, als würde man schweben“, sagt sie. „Wenn du richtig hinsiehst, dann ist Fußball wie ein wundervoller Tanz. Wenn ich spiele, dann gibt es nur den Moment“, entgegnet Trautmann. Es ist eine Schlüsselszene im Kinofilm „Trautmann“ (englischer Titel: „The Keeper“), der an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft und die Lebensgeschichte des deutschen Torhüters (1923 - 2013) erzählt.

Zum ersten Mal erlaubt die junge Engländerin (Freya Mavor) so etwas wie Nähe zum deutschen Kriegsgefangenen, der auf dem Hof ihres Vaters Jack Friar (John Henshaw) als Hilfskraft arbeitet und den sie zunächst wie einen Arbeitssklaven behandelt. Doch Margarets Faszination für den zuvorkommenden jungen Mann lässt sie mit der Zeit erweichen. Später soll sie sogar seine Ehefrau und größte Fürsprecherin werden.

Talent als Torhüter

Im Gefangenenlager hatte ihr Vater Jack ein Fußballspiel mit Trautmann zwischen den Pfosten beobachtet und sofort sein Talent als Torwart erkannt. Jack Friar ist Trainer beim lokalen Fußballclub und auf der Suche nach einem Keeper, der mit seinem Können den Abstieg verhindert. Diese Rolle soll Trautmann zukommen.

Das Entsetzen aufseiten der englischen Bevölkerung ist groß. Schließlich ist der Zweite Weltkrieg in Europa kaum beendet, die Feindbilder sind noch tief in den Köpfen verankert. Zudem ist die mögliche Mittäterschaft Trautmanns an den Gräueln des Nazi-Regimes völlig ungeklärt. Er habe nur „seine Pflicht als Soldat“ getan, hatte „keine Wahl“. Er wolle doch nur Fußball spielen. Mehr will Trautmann von seiner Vergangenheit nicht preisgeben.

Mit seiner unbeschwerten Art, Fußball zu spielen weckt Bert Trautmann alsbald die Aufmerksamkeit von größeren Vereinen. Als das Gefangenenlager geschlossen wird, steht es Trautmann offen, in seine deutsche Heimat zurückzukehren. Doch der gebürtige Bremer entschließt sich zu bleiben. Er gründet mit Margaret eine Familie und unterschreibt einen Vertrag bei Manchester City.

Hier läuft der Film

Der Film über das Leben von Torwart-Legende Bert Trautmann (Bild) ist ab diesem Donnerstag in folgenden Kinos im Nordwesten zu sehen: Oldenburg: Casablanca und Cinemaxx Wilhelmshaven: UCI Kinowelt Aurich: Kino Aurich Leer: Kino-Center Leer Osnabrück: Cinestar und Cinema-Arthouse Bremen: Schauburg, Gondel, Cinemaxx, Cinespace, Cinestar BILD: dpa

Erneut sieht er sich großer Anfeindungen der Öffentlichkeit ausgesetzt. Heftiger als zuvor. Ein „Nazi-Torwart“ in einem englischen Fußball-Trikot ist zu viel für die Mehrheit der Engländer. Doch als er 1956 im Finalspiel um den FA-Cup mit Manchester einen schweren Unfall mit Halswirbelbruch erleidet, trotzdem das Spiel bis zum Ende spielt und mit seiner Mannschaft den Pokal holt, feiern die Engländer ihn wie einen Helden.

Es ist der Moment, in dem die Welt ihre Augen auf den bescheidenen jungen Mann richtet, der den unglaublichen Weg von den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs bis auf den Rasen des legendären Wembleystadions gegangen ist, um dort zu triumphieren. Für die Leistung wird er 1956 als erster ausländischer Fußballer zum Spieler des Jahres gewählt. 2004 zeichnete Königin Elisabeth II. Bert Trautmann für seine Verdienste um die deutsch-englische Verständigung mit dem „Order of the British Empire“ aus.

Der authentisch wirkende Film „Trautmann“ schafft einen schwierigen Balanceakt aus Sportfilm, Anti-Kriegs-Botschaft und nicht zuletzt Liebesgeschichte, ohne dass zu irgendeiner Zeit eines der drei Themen zu sehr in den Fokus rückt und die anderen als nebensächlich erscheinen lässt. Schließlich ist es das Ganze, das die Lebensgeschichte von Bert Trautmann für den Zuschauer so faszinierend macht.

Film über Begegnungen

„Trautmann wollte nicht nur einen Film über seinen Genickbruch“, sagte Regisseur Marcus H. Rosenmüller vor einigen Tagen in einem Bremer Kino, wo der Film in einer Vorpremiere zu sehen war. 2009 traf sich Rosenmüller mit Trautmann und führte mehrere Interviews. Obwohl der um Haaresbreite fast tödlich ausgegangene Unfall der bekannteste Aspekt aus seinem Leben geworden ist, wollte Trautmann eine Geschichte über die Begegnungen aus seinem Leben haben, erklärt Rosenmüller.

Schauspieler David Kross (28) kannte die Lebensgeschichte von Bert Trautmann vor seinem Casting als Hauptdarsteller zunächst nicht, berichtete er bei der Vorpremiere in Bremen: „Ich habe mich dann aber viel mit dem Thema beschäftigt – das war eine große Herausforderung für mich“, sagt Kross und ergänzt augenzwinkernd: „Es war von mir immer ein Jungentraum, Fußballstar zu werden, das konnte ich jetzt mit der Schauspielerei verbinden. Ich habe mich immer wahnsinnig gefreut, wenn ich Fußball spielen konnte.“ Ihm stand am Set ein eigener Torwarttrainer zur Seite, um die Szenen zwischen den Pfosten so glaubwürdig wie möglich zu spielen.

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