Bremen - Ungefähr eine dreiviertel Stunde nach der 0:2-Heimniederlage von Werder Bremen gegen Schalke 04 am Sonnabendnachmittag musste eine Gruppe von Werder-Fans am Mannschaftsbus der Schalker vorbei. Es war nicht wirklich überraschend, dass die Bremer Anhänger keine freundlichen Worte für den Gegner übrig hatten – die üblichen Schmähgesänge halt. Als aber just in diesem Moment zwei Bremer Spieler den Parkplatz verließen, skandierte einer der grün-weißen Fans plötzlich: „Sch. . . Werder Bremen!“
Fans protestieren
Irgendwie schien er selbst überrascht von seinem Gefühlsausbruch, genau so wie die anderen Werder-Fans. Aber es gab auch niemanden, der protestierte. Die Anhänger haben die Nase voll von den Vorstellungen ihrer Mannschaft in der Fußball-Bundesliga. Und genau das besangen sie dann auch mit recht deutlichen Worten.
Dabei hatte Werder ordentlich begonnen und gegen pomadige Schalker in der ersten Halbzeit die klar besseren Chancen. Aber weder Kevin de Bruyne, noch Eljero Elia oder Marko Arnautovic brachten den Ball im Tor unter. Unisono verwiesen Werder-Trainer Thomas Schaaf und Kapitän Aaron Hunt auf die alte Fußballerweisheit von den vergebenen Chancen, die sich rächen.
Vorausgegangen beim 0:1 nach 51 Minuten war ein Fehler von Innenverteidiger Assani Lukimya, der Julian Draxler den Ball genau vor die Füße spielte. Der Nationalspieler ließ sich die Chance nicht nehmen und überwand Werder-Torhüter Sebastian Mielitz mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze. Erneut also hatte jener wackere aber technisch limitierte Lukimya gepatzt, der schon in Mainz mit einem kapitalen Bock die Führung des FSV nach zwölf Sekunden eingeleitet hatte.
Es ehrt die Bremer Spieler, dass sie dem Unglücksraben keinen Vorwurf machten. Hunt erklärte nach dem Match: „Wir gewinnen gemeinsam, und wir verlieren gemeinsam. Wir sind ein Team.“ Gewonnen hat Werder aber schon seit sieben Spielen nicht mehr. Die Mannschaft kann froh sein, dass der FC Augsburg seine Führung in Dortmund noch verspielte. Nach wie vor haben die Bremer sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Aber zumindest in Halbzeit zwei spielten sie wie ein Absteiger.
Und das mit dem Team kann man auch nur bedingt stehen lassen. Bei Werder scheint jeder mit sich selbst beschäftigt zu sein, keiner hilft dem anderen. Und manch einer, wie de Bruyne, stellte nach dem Rückstand das Fußballspielen fast komplett ein. „Es ist ärgerlich, dass uns ein Rückstand jedes Mal so umhaut. Wir hatten genug Zeit, um ins Spiel zurückzufinden. Aber dieses Selbstvertrauen haben wir einfach nicht“, meinte Hunt. Zu allem Überfluss droht kommenden Sonnabend im wichtigen Kellerduell bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf der Ausfall von Aleksandar Ignjovski, der sich gegen Schalke eine Muskelverhärtung zuzog.
Fataler Rückpass
Eine gute Viertelstunde nach dem 0:1 patzte Lukimya erneut. Sein Rückpass auf Mielitz geriet zu kurz, Raffael legte quer auf Ciprian Marica, und der schob zum 2:0 ein.
Schalkes Trainer Jens Keller war geradezu erschrocken, wie seine Mannschaft in der ersten Halbzeit aufgetreten war: „Es ist ziemlich laut geworden in der Kabine. Aber ich bin froh, dass es gefruchtet hat. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt nach der Pause.“ Das kann man von Werder nicht gerade behaupten.
