Bremen - Als der Abpfiff ertönte, standen, knieten oder lagen die Profis von Fußball-Bundesligist Werder Bremen fassungslos auf dem Platz. Wenig später mussten sie beim Verlassen des Spielfeldes ein gellendes Pfeifkonzert aus der Ostkurve des Weserstadions ertragen und verschwanden anschließend geschlossen in der Kabine.

Erst ein paar Minuten danach war es ausschließlich Clemens Fritz, der sich den Journalisten stellte – der 35-jährige Kapitän hat schließlich am meisten Erfahrungen mit den Fragen, die nach dem blamablen 1:2 gegen den FC Augsburg kommen mussten. „Das tut weh, hier ohne Punkte zu stehen“, stellte Fritz ratlos und mit hängenden Schultern fest. Die Bremer hätten die erste Halbzeit beherrscht, „und ich hatte nicht das Gefühl, dass die Augsburger hier irgendetwas mitnehmen wollen“, erklärte Fritz, der wie so oft in dieser Saison bester Bremer Spieler war.

In der Tat hatten die Gäste, die ganze zehn Ausfälle beklagten, in den ersten 45 Minuten nicht auf das Werder-Tor geschossen. Augsburg, zuvor sechs Partien ohne Dreier, wirkte verunsichert, nicht eingespielt und harmlos. Das 1:0 der Gastgeber durch das erste Saisontor von Florian Grillitsch (43. Minute) war folgerichtig – auch, wenn die Bremer selbst nur durch die vielen Standardsituationen von Zlatko Junuzovic so etwas wie Torgefahr versprühten.

Wie so oft in dieser Saison war Werder zu Beginn der zweiten Halbzeit beim ersten gefährlichen Angriff der Augsburger nicht auf Ballhöhe. Caiuby flankte von links, Alejandro Galvez und Jannik Vestergaard öffneten eine Lücke im Strafraum, und Alfred Finnbogason köpfte völlig unbedrängt zum 1:1 ein (53.) – und zog damit gleichzeitig den Stecker im Bremer Spiel.

In der Folge war die Verunsicherung der Grün-Weißen geradezu greifbar. Wieder kein Spiel zu Null, wieder kein Heimsieg? Den Gastgebern unterliefen nun einfachste technische Fehler, klare Torchancen gab es keine mehr. Und anstatt dann aber wenigstens den einen Punkt gegen einen direkten Rivalen mitzunehmen, der auch nicht auf Sieg zu spielen vermochte, lud die Werder-Abwehr die Augsburger noch einmal zum Toreschießen ein: Bei einer eigentlich harmlosen Freistoßflanke von Daniel Baier in der 87. Minute guckten die Bremer dem Ball nahezu erstaunt hinterher und ließen so den Treffer zum 1:2 durch Jeon-Ho Hong zu.

„In den entscheidenden Zweikämpfen sind wir nicht konsequent genug. Das darf nicht passieren“, kritisierte Fritz. „Dann stehst du mit leeren Händen da und schaust dich blöd an. So ein Spiel darfst du einfach niemals verlieren. Da fehlen mir auch die Worte“, konstatierte der Kapitän, fand aber am Ende auch noch kämpferische Worte: „Wir müssen weiter an uns glauben. Wir müssen positiv an die nächsten Aufgaben gehen und dürfen jetzt nicht in Selbstmitleid versinken.“

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion