Zell Am Ziller/Dresden - In den beiden Testspielen von Werder Bremen während des Trainingslagers im Zillertal hätte Großvater Eggestein wohl mürrisch auf der Tribüne gesessen. Zwar kamen seine beiden Enkel Maximilian (19) und Johannes (18) sowohl gegen 1860 München als auch gegen Huddersfield Town zum Einsatz, nur brachte sie Trainer Viktor Skripnik nicht gemeinsam. „Dabei ist es doch Opas größter Wunsch, dass ich Tore auf Vorlagen meines Bruders erziele“, sagt Johannes und schmunzelt.
Die Eggesteins sind ein Versprechen für die Zukunft Werders. Und so, wie sie sich im Zillertal präsentierten, kann ihnen eine Bundesliga-Karriere auch durchaus zugetraut werden. Auf dem Rasen boten sie gute Ansätze, in der Medienrunde zeigten sie sich geerdet. „Unsere Eltern haben uns erzogen, stets auf dem Boden zu bleiben. Ich muss nicht permanent irgendwelche Dinge posten. Maxi sieht das genauso. Wir sind zwei recht ruhige Typen“, erzählt Johannes Eggestein.
Dass er von Claudio Pizarro als Riesen-Talent geadelt wird, will er ganz seiner Art entsprechend deshalb nicht überbewerten. „Natürlich freut mich sein Lob, aber das muss ich ausblenden. Tempo und Intensität sind jetzt im Training wesentlich höher als in der Jugend. Um da mithalten zu können, muss ich mit unserem Athletik-Trainer noch an körperlicher Robustheit zulegen“, sagt Johannes. Für die Integration innerhalb der Mannschaft hingegen ist der Bruder zuständig. „Ich sehe es schon als meine Aufgabe, ihm Abläufe im Team zu erklären und zu sagen, wie der eine oder andere Spieler tickt“, sagt Maximilian.
Der 19-Jährige kam 2011 vom TSV Havelse zu Werders U 17, sein rund eineinhalb Jahre jüngerer Bruder machte es ihm 2013 nach. Während Johannes nun in sein erstes Profi-Jahr startet, war Maximilian bereits in der vergangenen Saison eine Option. Viktor Skripnik beorderte ihn sogar in die Start-Elf für das alles entscheidende Spiel gegen Eintracht Frankfurt. „Er hat wohl gemerkt, dass ich mir das zutraue. Ich habe Freude, aber auch Druck verspürt. Mit dem Sieg ist es dann ein echtes Highlight geworden“, sagt Maximilian Eggestein.
Der Mittelfeldakteur sieht sich gegenüber dem stürmenden Bruder als Ballverteiler im Zentrum, weil Tempo nicht so sein Ding sei. „Wir sind zwei völlig unterschiedliche Spielertypen. Sie müssen mal unsere Eltern fragen, warum mein Bruder so viel schneller ist“, sagt Maximilian lachend. Johannes nennt zudem Dribblings und gute Abschlüsse als seine Stärken. Gemeinsam stehen die aus Hannover stammenden Brüder erstmals seit dem sechsten Lebensjahr wieder in einer Mannschaft. Und sie würden dies auch mit Werders U 23 in der 3. Liga machen.
Die Werder-Profis verloren indes am Freitagabend in Dresden ein Testspiel gegen den spanischen Erstligisten Betis Sevilla mit 0:1 – obwohl die Eggestein-Brüder für einige Minuten gleichzeitig zum Einsatz kamen. An diesem Sonnabend (16 Uhr/MDR) treffen die Bremer, die aus ihrem österreichischen Trainingslager nach Sachsen gereist waren, ebenfalls in Dresden auf Gastgeber Dynamo.
