Gelsenkirchen - Michael Zorc redete gar nicht erst um den heißen Brei herum. „Wir sind doch alles Realisten. Die Bayern siegen immer weiter, und die Spiele werden immer weniger“, sagte der Sportdirektor von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund nach dem 2:2 (0:0) im 170. Revierderby bei Schalke 04.
Mitten im doppelten Rendezvous mit Meistertrainer Jürgen Klopp hat der BVB mit einer besseren B-Elf wohl die letzte Chance auf den Titel leichtfertig verspielt. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Bayern Meister werden“, sagte auch Dortmunds Trainer Thomas Tuchel nach dem Abpfiff.
Dass Dortmund ohne ein halbes Dutzend Stars angetreten war, verteidigte Zorc: „Wir spielen im Dreitagesrhythmus. Deshalb sind solche personellen Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt der Saison absolut notwendig.“
Drei Tage nach dem 1:1 im ersten Europa-League-Viertelfinale gegen Klopps FC Liverpool und vier Tage vor dem Rückspiel an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/Sport1) an der Anfield Road hatte BVB-Trainer Thomas Tuchel den meisten Stammspielern eine Pause gegönnt. Zum dritten Derbysieg in Folge reichte es trotz zweimaliger Führung durch die Tore von Shinji Kagawa (49. Minute) und Matthias Ginter (56.) nicht.
Für die Gelsenkirchener, die im Rennen um die Europapokalplätze einen wichtigen Punkt verbuchten, glichen jeweils Leroy Sané (51.) und Klaas-Jan Huntelaar per Foulelfmeter (66.) aus. Damit kann auch der umstrittene Trainer André Breitenreiter ein wenig durchatmen.
In der ereignislosen ersten Halbzeit hatten die Königsblauen gegen die Dortmunder Zweitbesetzung noch Offensivgeist und Spielstruktur vermissen lassen, erst nach dem Seitenwechsel nahm der Ruhrpott-Klassiker richtig Fahrt auf. „Wir haben es gut gemacht“, sagte Tuchel. Aber auch die Schalker konnten mit dem Ergebnis leben, wie Breitenreiter erklärte: „Wir sind zweimal in Rückstand geraten, sind zurückgekommen und haben Moral gezeigt. Deshalb bin ich zufrieden.“
Auf Dortmunder Seite hatte Tuchel die vielleicht bestbesetzte Bank der Vereinsgeschichte zusammengestellt: Dort fanden sich neben Rückkehrer Ilkay Gündogan unter anderem Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus sowie Henrikh Mkhitaryan wieder. Nur drei Spieler vom 1:1 gegen Liverpool standen erneut in der Startelf.
Dortmund dominierte dennoch das Spiel. Es dauerte bis zur 40. Minute, ehe sich die Gastgeber bis zum BVB-Tor durchkombinierten, Junior Caicara verfehlte allerdings das Ziel. Was in der ersten Hälfte völlig gefehlt hatte, lieferten die Erzrivalen in den ersten Minuten nach der Pause nach: Plötzlich ging es zwischen den Toren hin und her.
