CARACAS - Es ist nicht lange her, dass jeder mittelmäßige Zweitliga-Verein in Deutschland einen Brasilianer im Team haben musste. Doch die Zeiten haben sich geändert: Brasilianische und argentinische Profis sind out, die Bundesliga wendet sich in Südamerika anderen Märkten zu. Venezuela, Kolumbien und Ecuador sind die neuen Adressen.

Ein „deutscher“ Geschäftsmann in Venezuela versucht, den Hunger der europäischen Clubs nach unverbrauchten, aber bezahlbaren Nachwuchsprofis zu stillen: Philip Valentiner (34), der Präsident und Besitzer des FC Caracas.

Valentiner ist der starke Mann beim FC Caracas. Seine Familie hat deutsche Wurzeln, er selbst hat in Deutschland studiert, spricht fließend Deutsch und hat besonders den deutschsprachigen Markt im Visier. Valentiner verfolgt die Entwicklung der in Deutschland spielenden Venezolaner genau: „Tomas Rincon beim Hamburger SV und Juan Arango bei Borussia Mönchengladbach sind ja schon Leistungsträger. Ich hoffe, dass auch Yohandry Orozco seinen Weg beim VfL Wolfsburg macht.“

Brasilianer hingegen machen in der Bundesliga sportlich nur noch selten auf sich aufmerksam. Dabei sind in der Vergangenheit viele Profis in der Bundesliga zu Weltstars gereift. Carlos Dunga (VfB Stuttgart), Julio Cesar (Dortmund) sowie Ailton und Diego, die beiden ehemaligen Profis von Werder Bremen, sind nur einige Spieler, die in der Liga für Furore sorgten.

Gerade Werder hat mit Spielern aus Brasilien aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Zur Saison 2007/08 wechselte Carlos Alberto an die Weser. Die Gesamtablöse betrug 7,8 Millionen Euro. Damit war er bis zu diesem Zeitpunkt der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Sportlich eingeschlagen hat er in Bremen aber nie und wurde nach Disziplinlosigkeiten zurück nach Brasilien verliehen, um ihn dann an Vasco da Gama abzugeben.

Wesley kostete die Bremer im Sommer 2010 rund 7,5 Millionen Euro. Auch bei ihm wartet man noch auf den Durchbruch. In der laufenden Saison kommt er bisher auf lediglich fünf Einsätze.