CLOPPENBURG - Werner Biskup kennt keine Berührungsängste: Wer den Trainer des Cloppenburger Fußball-Kreisligisten SC Sternbusch besucht, wird schon mal mit einem kräftigen Klaps auf die Schulter begrüßt. Biskup geht auf Menschen zu, redet gerne über seine Zeit als Fußballprofi des 1. FC Köln in den 70er- und seine Erfolge als Bundesliga-Trainer in den 80er-Jahren. Kurz vor seinem 70. Geburtstag an diesem Donnerstag wirkt er lebensfroh, Biskup liebt den Fußball noch immer. „Ich brauche die Nähe zur Mannschaft, will so lange Trainer bleiben, wie ich von den jungen Kerlen akzeptiert werde.“ Dabei hätte ihn der Fußball doch fast völlig ruiniert – besser gesagt, der Erfolgsdruck, der auf einem Bundesliga-Trainer lastet.

Den konnte er irgendwann nur noch mit Hochprozentigem ertragen. Zu Zeiten seines größten Triumphes Mitte der 80er-Jahre, als Biskup die junge Mannschaft von Hannover 96 erst vor dem Sturz in die Drittklassigkeit bewahrte und dann in die 1. Bundesliga führte, war er dem Alkohol längst verfallen. Im November 1985 torkelte Biskup während des Spiels in Frankfurt durch das Waldstadion und pöbelte den Schiedsrichter an. 96 blieb keine andere Wahl, als ihn zu entlassen.

Erst der Anruf seines Vorbildes und Freundes Wolfgang Overath, den er aus seiner Zeit als Profi in Köln kannte, brachte Biskup zur Besinnung. „Der Alkohol wäre ohne die Therapie sonst immer mehr geworden. Aber man merkt es selber nicht, weil man sich wieder in die Situation reintrinken möchte, dass alles in Ordnung ist.“

Die Alkoholsucht hat große Wunden hinterlassen, vor allem, weil sie sich nach seiner erfolgreichen Therapie (1992) noch zweimal Bahn brach. Dass er die ganz großen Erfolge als Trainer nicht wiederholen konnte, tat ihm weitaus weniger weh. Biskup braucht den Fußball, aber nicht die große Fußball-Bühne.

Der Aufstieg in die erste Liga mit Hannover 96 sei „ein kleines Wunder“ gewesen, aber auch der Titelgewinn mit dem SC Sternbusch in der 1. Kreisklasse im Jahr 2007 habe ihm große Freude bereitet. „In Hannover hatte ich viele Helfer, in Sternbusch musste ich alles alleine schaffen“, sagt der Bottroper Bergmannssohn, der im Jahr 2000 Trainer des Oberligisten BV Cloppenburg wurde.

Seitdem lebt Biskup in dem Cloppenburger Stadtteil Sternbusch. „Ich habe hier alles, was ich brauche“, sagt er. Seinen Geburtstag will er dennoch woanders verbringen. „Ich würde gerne mit der Familie auf Norderney feiern“, sagt Biskup. Vielleicht macht ihm ja der eine oder andere Insulaner ein Geschenk und spricht ihn an – auf die Zeit in Köln und Hannover, über die er so gerne redet. . .

Steffen Szepanski
Steffen Szepanski Redaktion Münsterland (Lokalsport)