CLOPPENBURG - Deutschland ist die Rolle des großen Titelfavoriten nach dem Spiel gegen Nigeria erstmal los. Das war ein Dämpfer.
Es war schon Wahnsinn, was diese Schiedsrichterin Sung-Mi Cha aus Südkorea sich an Fehlentscheidungen geleistet hat. Man kann Nigeria noch nicht einmal Vorwürfe machen wegen der Härte. Alles steht und fällt mit der Kartenverteilung in der ersten Hälfte. Denn wenn eine Schiedsrichterin bei harten Attacken in den ersten 20 Minuten noch keine Karten vergibt, dann wissen die Spielerinnen, dass sie so weitermachen können, ohne bestraft zu werden. Diese Unparteiische war schlichtweg überfordert, das sollte aber nicht von den Problemen der deutschen Mannschaft ablenken.
Die Auswechslung von Birgit Prinz war sicherlich gerechtfertigt, aber man hätte auch sechs oder sieben andere herausnehmen können, die nicht ihre erwartete Leistung gebracht haben. Darunter auch die im ersten Spiel noch so gelobte Celia Okoyino da Mbabi. Nach der Einwechslung von Inka Grings habe ich mich in meiner schon vor dem Spiel geäußerten Meinung bestätigt gesehen: Inka wäre die bessere Spielerin von Anfang an gewesen, gemeinsam mit Prinz. Alexandra Popp scheint zwar zur Zeit die erste Einwechsel-Option zu sein, aber wenn es hart auf hart kommt, ist Erfahrung oftmals wertvoller als ungestüme Unbekümmertheit. Denn auch, wenn ich persönlich kein ausgesprochener Fan von Birgit bin, man muss sie jetzt auch schützen. Sie wird immer ganz anders bewertet als die anderen. Sie wird meines Erachtens auch im nächsten Spiel wieder von Beginn an spielen, weil man weiß, was man an ihr hat.
Wir sollten aber auch die Leistung von Nigeria nicht unterschätzen. Da hat der ehemalige Duisburger und Neuenahrer Trainer Thomas Obliers, der ja für das Training und die Taktik zuständig ist, ganze Arbeit geleistet und die Mannschaft super eingestellt. Nigeria hat ganz eng gestanden und ist die Partie aggressiv angegangen.
Generell ist mir bei der WM bislang aufgefallen: Die so genannten Superstars haben Schwierigkeiten, diesen Status unter Beweis zu stellen. Angefangen mit der Brasilianerin Marta, aber auch Englands Kelly Smith oder die Kolumbianerin Yoreli Rincón. Meine Spielerin des Turniers bislang ist die Französin Louisa Nécib leichtfüßig, technisch stark, mit tollen Pässen und Aktionen in beiden Spielen.
Für die Deutschen gilt: Die so genannten Drecksspiele sind nicht die, in denen man 5:0 oder 6:0 gewinnt, sondern sich gegen alle Widerstände beweisen muss. Wenn man das schafft und 1:0 gewinnt, dann ist das trotz allem, was noch nicht gelungen ist, ganz viel wert.
