Hamburg - Die sportliche Situation beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV ist katastrophal. Nach dem desolaten 1:2 bei Hannover 96 redete der Clubchef nun Klartext. „Wenn man gerade in der jetzigen Situation nicht begreift, dass man mit einer anderen Einstellung da reingehen muss, hat man seinen Beruf verfehlt“, attackierte der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow die HSV-Profis.
Angesichts der dramatischen Situation kündigte er nun eine härtere Gangart an: „Es gab eine Analyse und sehr deutliche Worte des Trainers. Dann wird es weitergehen mit Einzelgesprächen mit den Spielern.“ Der HSV müsse in den letzten vier Saisonspielen mindestens noch sechs Punkte holen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Daher werde schon das Duell im heimischen Volkspark mit dem VfL Wolfsburg an diesem Sonnabend (18.30 Uhr) zum ersten Endspiel. Es folgen noch die Partien in Augsburg, gegen Bayern und in Mainz.
Die Sorgen rund um den HSV werden immer größer. Denn auch finanziell droht der Club offenbar aus dem Gleichgewicht zu geraten – vor allem bei einem möglichen Abstieg. Am Sonntag hatte Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit recht neutralen Aussagen für helle Aufregung in der Hansestadt gesorgt: „Die Entscheidung über den HSV ist bei der DFL noch nicht endgültig gefallen. Das Entscheidende ist die Liquidität. Die muss sichergestellt sein.“ Die Hanseaten drücken Verbindlichkeiten in Höhe von 100 Millionen Euro.
Allen Gerüchten widersprach Jarchow jedoch energisch. Der Abstieg würde zwar einen „wirtschaftlichen Einschnitt“ bedeuten, doch „wir sind nicht pleite, wenn wir absteigen. Aber wenn Sie in die 2. Liga gehen, müssen Sie bei den Kosten richtig reduzieren“.
Eine Lösung des wirtschaftlichen Engpasses könne laut Rauball die Umsetzung der Strukturform HSVPlus sein, über die die Mitglieder am 25. Mai entscheiden. „Wenn die Lizenzspielerabteilung ausgegliedert wird, sieht es wirtschaftlich deutlich besser aus“, sagte Rauball. Investor und HSV-Edelfan Klaus-Michael Kühne könnte dann bis zu 24,9 Prozent der Anteile erwerben.
