Braunschweig/Hannover - Schweineköpfe und Innereien auf einem S-Bahnsteig, Straßenschlachten und Jagdszenen in der Stadt, eine mehr als halbstündige Pyrotechnik-Orgie im Stadion: Die unappetitlichen und brutalen Begleiterscheinungen des Niedersachsen-Derbys in Hannover blieben nachhaltig in Erinnerung. Ein Rekord-Aufgebot der Polizei soll nun eine Wiederholung verhindern. Für das Rückspiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 an diesem Sonntag wappnen sich die Behörden mit dem größten Aufgebot an Sicherheitskräften, das es bisher bei einem Fußballspiel in Braunschweig gegeben hat.

„Es war beschämend“, kommentierte 96-Clubchef Martin Kind nach der Partie im November. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius sprach von „ungezügelter und blindwütiger gezielter Gewalt“. Fast fünf Monate später ist das Skandalspiel immer noch aktuell. Die Polizei durchsuchte am Mittwoch 14 Wohnungen von Tatverdächtigen. Sie sollen Pyrotechnik gezündet haben. Bislang wurden 225 Strafverfahren eingeleitet.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verurteilte Hannover 96 ebenfalls am Mittwoch zu einer deftigen Geldstrafe von 50 000 Euro plus 50 000 Euro Auflage. Damit sollen noch vor dem Rückspiel Maßnahmen zur Prävention von Gewalt finanziert werden. Die Eintracht musste für das Fehlverhalten ihrer Fans ebenfalls 50 000 Euro und eine Auflage von 20 000 Euro für mehr Sicherheit im Gästeblock zahlen.

Am Sonntag sind insgesamt 3300 Polizisten aus den verschiedensten Bundesländern im Einsatz, um ähnliche Szene zu verhindern. Angesichts von 23 200 Zuschauern ist auch das Verhältnis von Publikum und Polizei rekordverdächtig. „Wir hoffen, dass es mit Hilfe der Polizei friedlich bleibt“, sagte 96-Manager Dirk Dufner.

Im Eintracht-Stadion dürfte die Zahl der Kriminellen geringer als im Hinspiel sein – nicht nur wegen der nicht einmal halb so großen Arena. So hat Hannover 96 die 2280 Karten für den Gästeblock unter allen Inhabern von Dauerkarten verlost und die Käufer zu einer gemeinsamen Anfahrt in fast 50 Bussen verpflichtet: Die Tickets werden erst dort gegen Vorlage der Personalausweise ausgegeben.

Es bleibt vor allem die Gefahr außerhalb des Stadions. 96-Ultras haben eine Demonstration angemeldet. Sie wollen vom Hauptbahnhof Braunschweig in die Innenstadt ziehen und gegen eine angebliche Einschränkung der Reisefreiheit demonstrieren.