Frankfurt Am Main - Werder-Manager Thomas Eichin war nach der Last-Minute-Pleite in Stuttgart erbost. Das 2:3 am Sonntagabend gefährdet die ambitionierten Ziele der Bremer in der Bundesliga. „Bei zwei Punkten Rückstand auf Europa muss jeder Spieler brennen - und ich muss nicht hinter jedem herlaufen und fragen, was ist mit dir, hast du Bauchschmerzen oder hast du Lust oder was“, schimpfte Eichin über das „unprofessionelle Verhalten“ der Fußballprofis.
Ähnlich sah es auch Viktor Skripnik nach dem vierten sieglosen Bremer Spiel in Folge. „Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen und dann über Europa reden“, sagte der Trainer. „Ich will nicht, dass meine Spieler über Europa reden und dann die entscheidenden Spiele verlieren.“ Mit dieser Einschätzung ist der Trainer nicht allein.
Der C Augsburg spielt eigentlich seit zwei Monaten wie ein Abstiegskandidat. Die einstigen Überflieger der Saison haben in diesem Zeitraum nur eines von neun Spielen gewonnen und zuletzt sogar als erste Mannschaft seit dem vergangenen Herbst beim SC Paderborn verloren. „Eigentlich“, sagte auch Augsburgs Manager Stefan Reuter, „haben wir da oben nichts mehr zu suchen.“
Doch tatsächlich steht der FCA noch immer auf Platz sechs der Fußball-Bundesliga mit besten Aussichten, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Europa League einzuziehen. Denn die direkten Konkurrenten von Schalke 04 bis Werder Bremen sind zurzeit nicht besser, am vergangenen Wochenende gewann kein Team aus dem oberen Bundesliga-Mittelbau auf den Plätzen fünf bis zehn.
Die traurige Wahrheit lautet: Der Wettlauf um die Europa- League-Plätze ist eine zähe Angelegenheit. Zusammengenommen haben die Clubs auf den Plätzen fünf bis neun an den vergangenen drei Spieltagen weniger Punkte (7) geholt als Paderborn und Stuttgart am Tabellenende (10). „Wir müssen froh sein, dass die Konkurrenz uns weiter die Chance auf die Europa League lässt“, meinte Reuter.
Beispiel 1899 Hoffenheim: Für den Tabellensiebten war das 2:3 (0:1) beim 1. FC Köln bereits die dritte Niederlage in den vergangenen fünf Spielen. Beispiel Eintracht Frankfurt und Werder Bremen auf den Plätzen acht und neun: Beide Clubs haben in dieser Saison schon 57 Gegentore kassiert, davon ist selbst der Hamburger SV (43) als Tabellenletzter weit entfernt.
Auf der einen Seite spricht dieses Phänomen für die Ausgeglichenheit der Liga. Der Tabellenletzte kann jederzeit den Sechsten schlagen. Auf der anderen Seite zeugen die Probleme der Europa-League-Anwärter nicht gerade von Qualität. Schon 2013 und 2014 schafften es zwei Bundesliga-Clubs nicht einmal in die Gruppenphase dieses Wettbewerbs. Erst scheiterte der VfB Stuttgart in der Qualifikation an HNK Rijeka aus Kroatien. Dann blieb Mainz 05 an den Griechen von Asteras Tripolis hängen. Eine peinliche Bilanz für die Liga des Weltmeisters.
Dabei wollen alle Kandidaten unbedingt in die Europa League - bis auf den FC Schalke 04 auf Platz fünf, für den dieser Wettbewerb nach drei Champions-League-Teilnehmen in Serie ein Abstieg wäre. Für alle anderen aber gilt: Die Europa League hat etwas Faszinierendes, zum Teil Neues und mittlerweile auch Lukratives. So erhält dort jeder Verein ab diesem Sommer eine Startprämie von 2,4 Millionen Euro statt bislang 1,3. Auch die Erfolgsprämien werden von der UEFA erhöht.
Augsburg und Hoffenheim haben noch nie international gespielt. Und in Frankfurt erzählt man sich noch heute mit leuchtenden Augen, wie in der vergangenen Saison 48 000 Zuschauer zu einem Heimspiel gegen Karabach Agdam aus Aserbaidschan kamen. Der Reiz der Europa League ist groß und der Weg dorthin auch nicht allzu schwer. Denn sollten Bayern München oder der VfL Wolfsburg den DFB-Pokal gewinnen, würde am Ende der Saison sogar Platz sieben zur Qualifikation reichen.
