Zürich - Nach dem Rückzug von Joseph Blatter haben die Spekulationen um den Nachfolger als Chef der Fifa begonnen. Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Der Uefa-Chef: Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel Platini (59) als Präsident der Europäischen Fußball-Union vermieden. Ambitionen auf das Amt verhehlte der Franzose aber ebenso wenig. „Es ist noch nicht an der Zeit etwas anderes zu tun“, sagte Platini vor zehn Monaten. Eine weltweite Unterstützung für den Blatter-kritischen Platini erscheint zu diesem Zeitpunkt fraglich. Die früheren Blatter-Gegner: Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali bin al-Hussein (39) aus Jordanien und der Niederländer Michael Van Praag (67) erklärten, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten. Der Portugiese Luis Figo (42), der ebenfalls zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein die größten Chancen – pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.  Blatters Stellvertreter: Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa Hayatou (68) als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen – alles andere als ein Neuanfang. Denn der Kameruner sitzt seit 1990 in der Fifa-Exekutive und stand mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20 000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon. Der Strippenzieher: Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde Ahmad Al Fahad Al Sabah (51) ins Fifa-Exekutivkomitee gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin. Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, Al Sabah weiß, wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten. Der Kaiser: Seine Popularität nutzte Franz Beckenbauer (69) bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen – auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der Fifa-Ethikkommission konfrontiert. Deswegen scheint Beckenbauer kein Thema zu sein. Der Industriellensohn: Als früherer Vizepräsident hat Chung Mong Joon (63) bereits Erfahrungen in der Fifa gesammelt. Jetzt kündigte der Südkoreaner sein Interesse an. Chung galt lange Zeit als Kritiker von Blatter. Der wohlhabende Sohn des Gründers des Mischkonzerns Hyundai hatte mehrmals einen Asiaten als Fifa-Präsidenten gefordert.