DELMENHORST - Jutta Lobenstein steht am Spielfeldrand und ist kaum zu bremsen. Sie macht den Eindruck, als wolle sie am liebsten auf das Fußballfeld rennen, so sehr fesselt das Spiel sie. Ihr Spieler mit der Rückennummer 14 ist im Gewusel vor dem gegnerischen Tor im Ballbesitz. Er holt aus und tritt kraftvoll gegen den Ball. Der landet im gegnerischen Tor. Lobenstein, reißt die Arme hoch und schreit „Yeah!“. Ihre Mannschaft hat gerade das Tor zum 1:1-Ausgleich geschossen. Lobenstein ist sozialpädagogische Mitarbeiterin der Lebenshilfe und Trainerin der „Roten Teufel“. Die spielen in der Behinderten-Fußball-Liga. Am Donnerstag traten in der Delmenhorster Stadtbadhalle zwei Mannschaften der Roten Teufel und ein Team des CVJM Wesermarsch, in dem ebenfalls Behinderte kicken, in einem Turnier gegen sechs Mannschaften aus der dritten und fünften Kreisklasse an. Insgesamt waren etwa 80 Spieler und 100 Zuschauer vor Ort.
Dass die Hälfte der zehn Spieler, deren Spiel Lobenstein gerade so gespannt verfolgt, geistig, psychisch oder lernbehindert ist, fällt nicht auf. Ihre Spielweise unterscheidet sich nicht erkennbar von der ihrer Gegner. Die Spieler von Grün-Weiß Kleinenkneten wiederum schonen ihre behinderten Konkurrenten nicht. Offensichtlich sind solche Unterschiede vergessen, sobald der Ball rollt. Berührungsängste gibt es dann nicht mehr. Diese Beobachtung hat auch Lobenstein gemacht. „Bei solchen Turnieren verbindet der Sport. Da geht es nur um Fußball.“ Daher seien die Spiele gerade ein „ganz normales Turnier“.
Das meint offenbar auch Stefan Reil. Er hat für die zweite Mannschaft der Teufel das Tor geschossen. Gerade wurde er ausgewechselt, jetzt steht er schwer atmend an der Torlinie. Er ist froh, dass er endlich ein Tor erzielt hat. Für sein Team läuft es – sportlich gesehen – nicht gut. In dem Spiel wird Reils Treffer der einzige bleiben. Kleinenkneten gewinnt 7:1.
Die Mannschaften aus der Kreisklasse schenken den Behinderten nichts. „Das würden unsere Spieler auch sofort merken und das wollen sie nicht“, erklärt Lobenstein. „Sie wissen, dass sie leistungsmäßig mit den anderen Mannschaften nicht mithalten können.“ Entsprechend sieht dann das Ergebnis aus. Den ersten Platz erreicht die zweite Mannschaft von Borussia Delmenhorst. Die Roten Teufel erreichen den sechsten (erste Mannschaft) und den neunten Platz (zweite Mannschaft), die Spieler des CVJM landen auf Platz acht.
Lobensteins Ziel ist es, dass es ganz alltäglich wird, dass auch Behinderte auf dem Fußballplatz stehen. Im Sommer wollen die Teufel deswegen in die fünfte Kreisklasse. Das hatten sie in der Vergangenheit schon beantragt, es ist aber vom Niedersächsischen Fußballverband und dem Landessportbund abgelehnt worden. Aus Gründen der Satzung, nicht wegen der Behinderungen, betont Lobenstein. Die Lebenshilfe plane derzeit einen eigenen Sportverein zu gründen, der dann in die Kreisklasse komme.
