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NWZonline.de Sport Fußball

Berti Vogts Wird 70: Der „Terrier“ will noch kein Rentner sein

31.12.2016

Berlin „Nein, nein“, Schluss soll jetzt noch nicht sein mit dem Fußballgeschäft, sagt Berti Vogts. Als Rentner sieht sich der „Terrier“, der am Freitag seinen 70. Geburtstag feiert, keinesfalls. „Ich könnte mir schon was anderes vorstellen. Wir werden sehen, was sich tut. Zuhause sitzen oder jeden Tag auf dem Golfplatz den Ball ins Aus hauen - das kann ich nicht“, betont der Welt- und Europameister. Vogts hat als Profi die WM (1974) und die EM (1972) gewonnen, war deutscher Meister, Pokalsieger und UEFA-Cup-Gewinner mit Borussia Mönchengladbach. Als Bundestrainer machte er Deutschland 1996 zum Europameister. Es war lange der letzte Titel für den DFB, bis Joachim Löw 2014 mit dem Nationalteam Weltmeister wurde.

Ob er sich ein wenig geärgert habe, dass ihn Löw nun als aktuellsten Titeltrainer abgelöst hat? „Dann müsste ich etwas falsch gemacht haben“, bemerkte der Jubilar: „Ich freue mich über jeden Titel, ich habe dem Fußball alles zu verdanken.“ Der nach dem frühen Tod seiner Eltern als Waise aufgewachsen Vogts hatte erst noch Werkzeugmacher gelernt, bevor er als 18-Jähriger für 28 000 Mark Ablöse vom VfR Büttgen zu seiner großen Liebe Borussia wechselte.

Noch heute sei er bei jedem Heimspiel der Borussia dabei, wenn es die Zeit erlaube, berichtet Vogts. Am liebsten sieht er sich die Spiele zusammen mit seinem inzwischen 27 Jahre alten Sohn Justin an, der in Mönchengladbach-Rheydt als Berufs-Feuerwehrmann arbeitet. Zeit hat Vogts jetzt wieder genug, denn sein Berater-Dienst für den US-amerikanischen Fußball-Verband ist nach der Suspendierung von Jürgen Klinsmann vorbei. „Natürlich, ich kann doch nicht mehr weiter arbeiten, wenn sie Jürgen entlassen haben. Ich bin sofort auf die Verantwortlichen zugegangen und habe gesagt, meine Arbeit ist beendet“, berichtet Vogts.

Klinsmann habe als US-Coach immer nur das Beste für die Auswahl gewollt, sei vor allem an den unrealistischen Ansprüchen der Amerikaner gescheitert. „Man hat nur auf etwas gewartet, das Geschäft kennt man ja, die Emotionen gehen hoch.“ Dabei habe sein einstiger Lieblingsschüler den „Fußball von morgen“ organisiert, wie schon beim DFB. „Davon profitiert der deutsche Verband heute noch“, meint Vogts.

Im Schwarzwaldhotel Traube Tonbach feiert Vogts wie meist in den vergangenen 30 Jahren den Jahreswechsel und seinen Geburtstag. Jüngst habe er seinen ehemaligen Präsidenten Egidius Braun getroffen und mit dem 91-jährigen Ex-DFB-Chef ein wenig über alte Zeiten geplaudert. „Es war nicht so so einfach damals, als ich als Nachwuchstrainer 16 Stützpunkte in Deutschland haben wollte, haben sie gesagt: „Wir haben kein Geld, Herr Vogts“. Heute gibt es über 300 Stützpunkte.“

Auch deshalb stuft er in seiner langen Top-Erfolgsliste den WM-Triumph von 1990, als er Assistent von Teamchef Franz Beckenbauer war, als Nummer eins ein. Noch vor dem WM-Sieg als Spieler 1974. „Das war das geringste Problem. Wir Niederrheiner kennen den holländischen Fußball in- und auswendig. Wenn wir sie nicht schlagen, müssen wir eine schwache Mannschaft haben“, scherzt Vogts über den Finalsieg.

1990 aber seien 18 Spieler Weltmeister geworden, „die bei mir in der Jugend oder der U21 gespielt haben“, unterstreicht der einstige kompromisslose Verteidiger noch heute stolz. In der persönlichen Rangliste folgt der EM-Triumph als Bundestrainer auf Rang zwei. „1994 hatten wir die besseren Einzelspieler. Aber 1996 waren wir eine Topmannschaft, in der jeder für jeden etwas abgegeben hat. Vor dem Finale hatten wir nur noch neun gesunde Spieler. Olli Reck hatte schon ein Feldspielertrikot - und wir haben es trotzdem geschafft“, erinnert Vogts an seinen zweitwertvollsten Erfolg.

Die ganz große Anerkennung wie seine Vorgänger Helmut Schön oder Franz Beckenbauer bekam Vogts von den deutschen Fans aber nie. „Wenn der Franz übers Wasser läuft, sprechen alle von Gott. Wenn ich über das Wasser laufe, heißt es: Der kann ja nicht mal schwimmen“, hat Vogts einst die Wahrnehmung der Öffentlichkeit beschrieben. Nach einem Kurzgastspiel als Trainer von Bayer Leverkusen suchte der „Terrier“ im Ausland seine Chance. In Kuwait, Nigeria, Aserbaidschan kam er sich als Nationalcoach oft auch als Entwicklungshelfer vor.

Für ihn persönlich sei Schottland die wichtigste Auslands-Station gewesen. „Die Fans lieben den Fußball.“ Und dann begann in Schottland auch noch die Liebe zum Golf: „Wer in Schottland Trainer war und nicht Golf spielen kann, da kann etwas nicht stimmen“, sagt Vogts.

Der Blick auf das eigene Land hat sich durch diese Trainer-Stationen verändert. Für viele Menschen in anderen Ländern seien Deutschland und der deutsche Fußball ein Vorbild. „Wir müssen wirklich aufpassen, wie wir mit unserem Land umgehen“, warnt der Mann aus Korschenbroich: „Wir müssen weiter ein offenes, ein zuverlässiges Land sein.“

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