Hannover - Angesichts des ersten Derby-Sieges seit 19 Jahren war Hannovers Vereinsboss Martin Kind milde gestimmt. Selbst das ausgiebige Feuerwerk im 96-Fanblock nach der Halbzeit und nach dem 1:0-Sieg im Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Braunschweig konnte dem Vereinspräsidenten die Stimmung nicht verderben.

„Das war eine Dimension, die vertretbar war“, kommentierte 96-Clubchef Martin Kind die Pyrotechnik, die dem Verein eine weitere Strafe einbringen wird. Angesichts der drei Punkte und der Rückkehr auf einen Aufstiegsplatz sagte er: „Wir haben die Chance, die müssen wir jetzt nutzen.“

Sportlich bot das von einem Großaufgebot der Polizei gesicherte Nachbarschafts-Duell ein packendes Spiel von hoher Intensität, das auch die Braunschweiger akzeptierten. „Ich kann sagen, dass ich erhobenen Hauptes mit meiner Mannschaft zurück nach Braunschweig fahren kann“, kommentierte Trainer Torsten Lieberknecht.

Die Gäste wehrten sich tapfer, kassierten jedoch den 96-Treffer durch Niclas Füllkrug (32. Minute) nach einer Ecke. Lieberknecht will sich „jetzt auf Fußball konzentrieren, das war in der letzten Woche schwierig“. Der Sicherheitsaspekt überlagerte im Vorfeld das Sportliche.

Dass das Großaufgebot von mehr als 2500 Sicherheitskräften notwendig war, zeigte sich rund um das Spiel. Der Einsatz habe „uns das Gewaltpotenzial der rivalisierenden Clubs sehr deutlich vor Augen geführt“, so Hannovers Polizeivizepräsident Jörg Müller.

Die Polizei habe „größere Auseinandersetzungen verhindert“, sagte Müller: „Durch flexibles und sehr konsequentes Einschreiten ist es uns gelungen, gewaltbereite Anhänger beider Clubs zu trennen und insgesamt 183 Braunschweiger Chaoten auf dem Stadiongelände in Gewahrsam zu nehmen.“ Eintracht-Anhänger hatten „sich gewaltsam Zugang zum Stadiongelände“ verschafft.

Diese Fans verpassten ein Zweitliga-Spiel auf hohem Niveau, das zu Braunschweigs erster Niederlage nach neun ungeschlagenen Spielen führte. „Jede Niederlage tut weh, in einem Derby ist das natürlich noch bitterer“, kommentierte Eintracht-Stürmer Domi Kumbela. Sein Team fiel dadurch auf Rang vier zurück.