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NWZonline.de Sport Fußball

Deutsch-Brasilianer vertritt den Osten

09.11.2013

Oldenburg Ein 19-Jähriger mit brasilianischen Wurzeln könnte ein neues Kapitel deutscher Fußball-Historie aufschlagen. Denn noch immer gibt es keinen Spieler, der nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 im Osten der Bundesrepublik geboren wurde und es in die A-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geschafft hat.

Leonardo Bittencourt von Hannover 96 ist nah dran, als Erster diese beiden Kriterien zu erfüllen. Geboren wurde er am 19. Dezember 1993 in Leipzig, als sein Vater, der Brasilianer Franklin Bittencourt, beim VfB Leipzig unter Vertrag stand. Später zog es den Papa samt junger Familie nach Cottbus, wo der inzwischen 44-Jährige bei Energie als Spieler und später als Nachwuchstrainer wirkte. Sein mit der deutschen und der brasilianischen Staatsbürgeschaft ausgestatteter Sohn Leonardo wuchs daher in der Lausitz auf, von wo er 2012 zu Borussia Dortmund wechselte.

Beim BVB kam das große Talent nur fünfmal zum Einsatz. Für rund drei Millionen Euro Ablöse wechselte er im Sommer 2013 nach Hannover, wobei sich die Dortmunder das Recht aushandelten, den Mittelfeldspieler nach zwei Jahren zurückkaufen zu können. „Es war ein sehr lehrreiches Jahr in Dortmund“, hatte Bittencourt erklärt: „Aber für mich ist es wichtig, dass ich spiele.“ Das tut er nun in Hannover, bei den 96ern wurde er in zehn der bisherigen elf Saisonspiele eingesetzt.

Zu einer möglichen Nominierung durch Bundestrainer Joachim Löw möchte sich Bittencourt nicht äußern. Wie es sich anfühlt, das Trikot mit dem Adler zu tragen, weiß er aber. Er durchlief mehrere DFB-Juniorenteams und ist aktuell fester Bestandteil der U 21.

„Bittencourt ist mir schon in der Jugend von Cottbus aufgefallen“, sagt Wolfgang Steinbach: „Es war früh klar, dass er das Zeug zum Profi hat.“

Steinbach (59) ist ein Kenner des ostdeutschen Fußballs. Zwischen 1978 und 1985 bestritt der langjährige Mittelfeldspieler des 1. FC Magdeburg für die DDR 28 Länderspiele. Nach der Wiedervereinigung wechselte er zum VfB Oldenburg, wo er als Spieler und später auch als Trainer arbeitete. Als Coach war er zudem auch für den BV Cloppenburg und den SV Wilhelmshaven tätig.

Dafür, dass es derzeit wenig junge, aus dem Osten stammende Profis in der Bundesliga gibt, hat aber auch Steinbach keine einfache Erklärung: „Ich vermute, es liegt an dem fehlenden Unterbau. Denn da es dort relativ wenig Proficlubs gibt, fehlen auch die entsprechenden Ausbildungszentren.“

Bittencourt würde mit einem Einsatz in der A-Nationalmannschaft eine neue Kategorie für Spieler aus dem Osten Deutschlands schaffen. Da gab es zunächst die, die bereits für die DDR Länderspiele bestritten und dies nach 1990 auch für die Bundesrepublik taten (siehe Kasten). Es folgte eine Generation, die ihre fußballerische Ausbildung noch in der DDR erhalten hatte. Als diese Akteure Profis wurden, gab es das Land, in dem sie geboren wurden, aber nicht mehr. Beispiele sind Bernd Schneider (Jahrgang 1973), Jens Jeremies (1974) und Michael Ballack (1976). Und schließlich gibt es derzeit Nationalspieler, die noch in der DDR geboren wurden, sich an die frühen Kindheitsjahre in jenem Staat aber nicht mehr oder nur sehr wenig erinnern dürften. Beispiele sind René Adler (1985/derzeit Hamburger SV), Marcel Schmelzer (1988/Borussia Dortmund) und Toni Kroos (1990/Bayern München). Letzterer wurde zwar nach dem Mauerfall am 9. November 1989 geboren (das historische Ereignis jährt sich an diesem Sonnabend zum 24. Mal), aber auch noch vor dem 3. Oktober 1990, nämlich am 4. Januar 1990 in Greifswald.

Theoretisch könnte der jüngere Bruder von Toni Kroos, Felix Kroos (22), dem Deutsch-Brasilianer Bittencourt zuvorkommen. Der Mittelfeldspieler von Werder Bremen wurde am 12. März 1991 in Greifswald geboren. In dieser Saison wurde er bei Werder schon zehnmal eingesetzt. Von einer Berufung in die Nationalelf scheint er aber noch weit entfernt zu sein.