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NWZonline.de Sport Fußball

Deutscher Länderspiel-Rekordsieg besteht seit 100 Jahren

30.06.2012

MüNCHEN Wenn die Legende wahr ist, hat Sepp Herberger (1897-1977) im Jahr 1909 ein Spiel des Karlsruher FV besucht. Er war damals zwölf Jahre alt, lebte mit seinen Eltern in Mannheim – und er war tief beeindruckt. „Nie werde ich jenes Spiel vergessen“, erzählte er später.

Herberger hatte sein „Idol“ gesehen: Gottfried Fuchs (1889-1972), der am 1. Juli 1912 im Olympia-Trostrundenspiel gegen Russland zehn Tore für Deutschland erzielen sollte. Ein Rekord für die Ewigkeit, der sich an diesem Sonntag zum 100. Mal jährt.

Alte Fotos in der KFV-Vereinschronik zeigen einen jungen Kerl im weißen Spielhemd mit Wappen auf der Brust und gescheiteltem schwarzen Schopf. „Die Meistermannschaft 1910“, steht darunter. Karlsruhe hat am 15. Mai Holstein Kiel 1:0 besiegt und den Titel geholt.

Rund zwei Jahre dauerte es noch, bis der größte Tag des Gottfried Fuchs bei den Olympischen Spielen in Stockholm kam. Russland lag zur Pause 0:8 hinten. Fuchs hatte schon in der zweiten Minute getroffen, trifft, trifft und trifft. Zehn Tore werden es, damit ist Fuchs immer noch der Rekordtorschütze des DFB. Am Ende hieß es 16:0, nie mehr fuhr eine deutsche Auswahl einen höheren Länderspielsieg ein.

Es hätte eine große Karriere werden können, doch Gottfried Fuchs bestritt nur sechs Länderspiele. Selbst diese waren zwischenzeitlich in der Chronik des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht zu finden, denn Fuchs war wie sein Vereinskamerad Julius Hirsch Jude. Hirsch wurde 1943 im Nazi-Konzentrationslager Auschwitz ermordet; Fuchs, ein wohlhabender Holzhändler, zur Emigration gezwungen. Über Frankreich und die Schweiz kam er nach Kanada, wo er als Godfrey E. Fochs in Montreal lebte.

Mit Herberger, der 1955 Kontakt zu Fuchs aufnahm, entwickelte sich eine Brieffreundschaft. Der „Spiegel“ berichtete, auf ein späteres Schreiben Herbergers habe Fuchs geantwortet, dieser könne „sich nicht vorstellen, wie sehr mich Ihr natürlicher und herzlicher Brief gefreut hat“. Daraufhin schickt Herberger, die Bundestrainer-Legende, ein Foto nach Kanada – es zeigt die Elf, die Russland einst 16:0 besiegte.

Tief enttäuscht reagierte Herberger, als im Mai 1972 das Münchner Olympiastadion eingeweiht werden sollte. Vehement hatte Herberger sich dafür eingesetzt, Fuchs zu dem Länderspiel gegen die Sowjetunion einzuladen. Doch der DFB war zu verkrustet, um sich der braunen Vergangenheit zu stellen.

„Auf dieser heute so verdrehten Welt ist auf niemanden mehr Verlass“, schrieb Herberger empört nach Kanada und lud den Ex-Nationalspieler zu sich nach Deutschland ein. Gottfried Fuchs las es nicht mehr. Als Herbergers Brief in Kanada eintraf, war er seit vier Wochen tot.

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