Rostock/Dresden - Nach den schweren Krawallen im Drittliga-Duell zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden stehen die Fußball-Traditionsclubs wegen ihrer Problemfans wieder einmal am Pranger. Am Montag leitete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wie erwartet Ermittlungsverfahren gegen beide Vereine ein.

Da sowohl Hansa als auch Dynamo als Wiederholungstäter gelten, könnte eine mögliche Sanktion auch über eine Geldstrafe hinausgehen. Eines aber steht schon jetzt fest: Das ohnehin ramponierte Image hat durch das erneute Fehlverhalten einiger Anhänger nochmals gelitten.

Dresden stellte am Montag Strafanzeige gegen unbekannt. Dynamo-Krawallmacher hatten während der Partie im Gästeblock Pyrotechnik gezündet und diese in Richtung der gegnerischen Fans und aufs Spielfeld abgefeuert. Rostock muss sich wegen des möglicherweise unzureichenden Ordnungsdienstes verantworten. Die Randale nach dem Abpfiff, als Hansa-Hooligans Mülltonen in Brand gesetzt, Autoreifen von Gäste-Fahrzeugen zerstochen und eine Polizeidienststelle attackiert hatten, sind nicht Gegenstand der DFB-Ermittlungen.

Die Ausschreitungen, bei denen 13 Polizisten verletzt wurden, haben die Hansa- und Dynamo-Verantwortlichen scharf verurteilt. Ihre Macht- und Hilflosigkeit wird aber immer deutlicher. Deshalb forderte der renommierte Fanforscher Gunter Pilz einen Solidarfonds für mehr Sicherheit. „Vereine, denen es wirtschaftlich gut geht, zahlen in einen Fonds ein, aus dem sich finanzschwache Clubs bedienen können“, sagte Pilz: „Manche Vereine sind in Sicherheitsfragen auch finanziell überfordert.“

Mit dem zusätzlichen Geld könnten vor allem die unterklassigen Clubs zum Beispiel den eigenen Ordnungsdienst stärken oder die Fanarbeit intensivieren, erklärte Pilz. Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, versprach, das Thema auf der nächsten Innenministerkonferenz mit seinen Ressortkollegen zu besprechen.