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NWZonline.de Sport Fußball

Weltmeister-Ansprüche: Frankreichs neue Erwartungshaltung

05.09.2018

München (dpa) - Antoine Griezmann und Ousmane Dembélé hatten beim Fotoshooting mit einem WM-Pokal im XXL-Format im Leistungszentrum in Clairefontaine nochmal richtig Spaß.

Nach der Ankunft in München musste dann ein gut gelaunter Blaise Matuidi für seine Autogramme mit einer Trophäe in XXS-Größe vorliebnehmen. Das Lachen jedenfalls soll Frankreichs Weltmeisterjahrgang um Shootingstar Kylian Mbappé auch im Prestigeduell gegen die in Russland entzauberte deutsche Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw nicht vergehen.

Frankreichs Nationalcoach Didier Deschamps richtet sich vor dem Duell zwischen altem und neuem Weltmeister am Donnerstag (20.45 Uhr) in der Nations League schon mal auf ein packendes Kräftemessen ein. "Man befindet sich sofort auf einem Topniveau", sagte der Kapitän von Frankreichs triumphaler 1998er WM-Auswahl.

53 Tage nach dem 4:2 im Endspiel von Moskau gegen Kroatien muss sich die Équipe Tricolore sofort in einer neuen Rolle zurechtfinden. "Wenn man nun auf die französische Mannschaft trifft, trifft man nicht nur auf die französische Mannschaft, sondern zugleich den Weltmeister", erläuterte Deschamps die veränderte Erwartungshaltung.

Vor 20 Jahren taten sich die Franzosen damit zunächst schwer. Unmittelbar nach dem Gewinn des Weltmeistertitels im eigenen Land kam die Mannschaft in einem Freundschaftsspiel gegen Österreich nicht über ein 2:2 hinaus. Das spielte aber keine Rolle. Zwei Jahre später krönten sich die Franzosen auch zum Europameister.

Nun heißt der Kontrahent aber Deutschland. Das ist eine ganz andere Hausnummer - selbst wenn "Die Mannschaft" mit dem WM-Vorrundenaus ein Debakel erlebte. Genau das könnte nun auch ein gefährlicher Faktor für Frankreich sein, denn die DFB-Elf will Kredit zurückgewinnen. "Wir wissen, dass wir eine harte und schwere Aufgabe haben. Aber dass wir uns mit einem solchen Gegner messen können, ist das Schönste, was uns jetzt passieren kann", sagte Kapitän Manuel Neuer.

Deschamps wird von seiner Équipe, die ohne ihren verletzten Kapitän Hugo Lloris antritt, Ernsthaftigkeit einfordern. "Ich bin hier, um Spiele zu gewinnen", versicherte der 49-Jährige. Eine gesunde Portion Nonchalance bringt seine Mannschaft ohnehin mit. Manch einer legt dann sogar etwas zuviel Temperament an den Tag.

So musste sich Deschamps im Vorfeld des Länderspiels auch mit der Personalie Mbappé befassen. Er tat es gewohnt bedacht und souverän. Der Jungstar von Paris Saint-Germain war am Wochenende beim 4:2 gegen Olympique Nimes nach einem Schubser gegen seinen Gegenspieler mit Rot vom Platz geflogen. "Er darf so nicht reagieren", ermahnte Deschamps seinen Weltmeister, nicht ohne väterlich zu ergänzen: "Er ist aber noch ein junger Spieler."

Vielleicht deutet diese Aussage auf den wichtigsten Aspekt hin, den Deschamps auf dem Weg zur EM 2020 seinem auf dem Gipfel angekommenen Team vermitteln muss: Entwicklungspotenzial. "Nur weil wir den Titel gewonnen haben", meinte Deschamps, "heißt das nicht, dass wir uns nicht noch verbessern können."

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