Port Louis - Eine Meuterei wollte Wolfgang Niersbach sicherlich nicht anzetteln. Aber einfach so hinnehmen konnte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Verzögerung des Reformprogramms der Fifa auch nicht. Als Wortführer der Opposition aus Europa monierte Niersbach am Freitag beim Kongress des Weltverbandes auf Mauritius die Verschiebung der Entscheidung über eine Amtszeitbeschränkung und eine Altersgrenze für mächtige Fifa-Funktionäre bis 2014.
„Es wäre ein gutes Signal für die Öffentlichkeit gewesen, wenn wir über einen Vorschlag abgestimmt hätten“, sagte der DFB-Boss und erntete für seine leise Kritik von Fifa-Präsident Joseph Blatter ein süßsaures Lächeln. „Es hätte für keinen Vorschlag eine Mehrheit gegeben“, begründete der Schweizer die beschlossene Verschiebung (123:16-Stimmen) und versprach: „Wir werden das Problem angehen.“
Mit beinahe erschreckend wenig Widerstand winkten die 209 Delegierten das öffentlich zum großen Wurf aufgeblähte, aber inhaltlich zum Torso verkommene Programm ihres Präsidenten zur Reform der skandalumwitterten Organisation durch.
99 Prozent, 88 Prozent, 97 Prozent – mehrfach erinnerten die ganz nach dem Geschmack des Meister-Taktikers Blatter ausgefallen Zustimmungsquoten in Port Louis an unfreie Wahlen in früheren Ostblock-Staaten. Es gab kaum Kritik, selten kontroverse Debatten und so gut wie keine Nachfragen zum 160 Millionen Euro schweren ISL-Bestechungsskandal und Blatters Rolle dabei.
Zwar wurde die Einführung eines Integritätschecks für alle Mandatsträger mit 198:2 Stimmen beschlossen. Das fiel den Delegierten aber leicht. Denn die Prüfung wird intern und nicht wie von Fifa-Kritikern gefordert durch unabhängige Gremien vorgenommen.
Die bedeutendsten Entscheidungen auf der Insel im Indischen Ozean waren noch die Verlagerung der Vergabe künftiger WM-Turniere aus dem Exekutivkomitee in den Kongress, die Verschärfung von Sanktionen gegen Rassismus sowie die Wahl von Burundis Verbandschefin Lydia Nsekera zur ersten Frau in der 109-jährigen Fifa-Geschichte in die Exekutive.
