Köln/Athen - Das kaschierte Millionen-Honorar an Franz Beckenbauer (71) beschwört eine Schlammschlacht zwischen dem „Kaiser“ und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) herauf. Nach der Enthüllung von Zahlungen an den damaligen WM-Chef über 5,5 Millionen Euro aus dem DFB-Vertrag mit einem WM-Sponsor (der staatliche Wettanbieter Oddset) ging DFB-Präsident Reinhard Grindel so deutlich wie noch nie seit Beginn der Affäre um ungeklärte Schiebereien auf Distanz zur wohl bedeutendsten Figur des deutschen Fußballs.
„Für mich“, sagte Grindel auf dem Uefa-Kongress in Athen mit Blick auf Beckenbauers zuvor unbekannte Nebeneinnahmen, „ist dieser ärgerliche Vorgang ein neuerlicher Beleg, dass das Organisationskomitee der WM 2006 auf Abschottung gesetzt hat, dass dort keine Transparenz geherrscht hat und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist.“
Einmal in Fahrt, wurde Grindel noch deutlicher: „Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5,5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat. Man kann vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war.“ Für ihn sei „völlig unverständlich“, warum die Mitglieder des damaligen Organisationskomitees diese These über einen so langen Zeitraum vertreten hätten.
Beckenbauers Anwälte Werner Leitner und Michael Nesselhauf wiesen die Attacken zurück. „Die Behauptung von DFB-Chef Reinhard Grindel, Beckenbauer habe die Öffentlichkeit getäuscht, trifft nicht zu“, hieß es in einer Erklärung der Hamburger Kanzlei Nesselhauf.
Zur Ehrenrettung ihres Mandanten bemühten sich die Rechtsbeistände auch um juristische Haarspalterei: Der WM-Chef Beckenbauer habe unentgeltlich gewirkt, die auch in dieser Funktion vom WM-Sponsor verpflichtete PR-Ikone Beckenbauer dagegen hätte legitimerweise Einnahmen aus werblichen Aktivitäten erzielt, lautete ihre Lesart.
Lotto Bayern teilte mit, es habe im Zusammenhang mit der WM 2006 keine vertraglichen Beziehungen von Oddset und/oder der Lotterieverwaltung zu Beckenbauer gegeben. „Dementsprechend gab es auch keine Honorarvereinbarungen und keine Honorarzahlung. Vertragspartner von Herrn Beckenbauer war der DFB“, hieß es weiter. „Das Werbehonorar erhielt Herr Beckenbauer vom DFB.“ Hauptverhandlungspartner der Lotterieverwaltung beim Verband sei dessen damaliger Präsident Theo Zwanziger gewesen.
