Bremen/Oldenburg - Franco di Santo zögerte nicht eine Sekunde. Als Schiedsrichter Wolfgang Stark in der 84. Minute des Nordderbys gegen den Hamburger SV auf Elfmeter entschied, schnappte sich der Stürmer von Fußball-Bundesligist Werder Bremen das Spielgerät. Mit dem Selbstverständnis eines Torjägers schob der Argentinier den Ball unhaltbar für HSV-Torwart René Adler in den rechten Winkel – von dem besonderen Druck, im Duell mit dem Erzrivalen kurz vor Schluss große Verantwortung zu übernehmen, war bei dem 26-Jährigen nichts zu spüren.
Di Santo feierte nach dem 1:0 am Sonntag ausgelassen mit den Bremer Anhängern den Prestige-Sieg. „Jedes Tor ist wichtig für mich. Aber das Derby ist ein spezielles Spiel, das wussten wir. Ich bin sehr glücklich“, erzählte der Stürmer freudestrahlend.
Spätestens mit diesem Tor hat sich di Santo in die Herzen der Anhänger gespielt. Nach seinem Treffer zeigte der Stürmer bedeutungsvoll auf die Werder-Raute auf seinem Trikot – eine Liebeserklärung, die den Fans Hoffnung macht, dass der umworbene Angreifer länger an der Weser bleibt als viele zu hoffen wagen.
Denn di Santo hat sich mit 13 Saisontoren und vielen guten Leistungen längst auf die Wunschliste anderer Vereine gespielt. Dortmund, Mönchengladbach und Wolfsburg sollen Interesse haben. Auch im Ausland verfolgt man die Leistungen aufmerksam. Di Santo, der in Bremen noch einen Vertrag bis zum Juni 2016 besitzt, schweigt bisher zu den vielen Gerüchten um seine Person.
Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin kann sich für seinen „Königstransfer“ zweifellos auf die Schulter klopfen. Er lotste di Santo im Sommer 2013 ablösefrei an die Weser, als dieser in der englischen Premier League bei Wigan Athletic nicht mehr glücklich war. Der Marktwert des Argentiniers, der in der Nationalmannschaft nur wegen der enorm starken Konkurrenz um Lionel Messi, Carlos Tevez, Sergio Agüero und Gonzalo Higuain keine große Rolle spielt, wird inzwischen auf 7,5 Millionen Euro beziffert – Tendenz klar steigend.
Doch genau hier liegt das Dilemma, mit dem sich Eichin herumplagen muss: Gebe ich di Santo im Sommer ab und kassiere eine stattliche Ablöse, die die klammen Vereinskassen deutlich aufbessern würde? Oder behalte ich meinen besten Angreifer, riskiere aber, dass er nach der kommenden Saison ablösefrei zu haben ist? Versuche, di Santo vorzeitig zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen, sind bisher an dessen Zögern gescheitert.
Den besten Grund, di Santo weiter für Werder zu begeistern, kann die Mannschaft in den verbleibenden fünf Saisonspielen selbst liefern. Halten die Bremer den siebten Tabellenplatz und qualifizieren sich so für die Teilnahme an der Europa League, würde der Argentinier auf der internationalen Bühne spielen.
„Wir müssen Schritt für Schritt gehen“, gab sich di Santo am Sonntag zurückhaltend und vermied es, ein Ziel auszusprechen, sagte dann aber doch: „Wir wollen so viele Punkte wie möglich holen und die bestmögliche Platzierung erreichen.“ So spielt und redet der Stürmer sich sicher auch weiter in die Herzen der Fans. Fragt sich nur, wie lange er das noch in Bremen tut.
