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NWZonline.de Sport Fußball

Leichtathletik: Dopingsünder strickt weiter an Verschwörungstheorie

30.12.2011

HAMBURG Als Ben Johnson am 24. September 1988 mal kurz die Welt geschockt und seinen größten Rivalen gedemütigt hatte, verzog er keine Miene. Ohne jede Regung im Gesicht blickte er auf die Anzeigentafel des Olympiastadion von Seoul: 9,79 Sekunden. Nie zuvor war ein Mensch die 100 Meter schneller gerannt. Er war der Sieger des spektakulärsten Wettbewerbs der Olympischen Spiele und auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch Johnson, der an diesem Freitag 50 Jahre alt wird, wirkte teilnahmslos. Selbst als ihm die Goldmedaille um den Hals gelegt wurde, lächelte er nicht. Als hätte er schon geahnt, was auf ihn einstürzen würde.

Es folgte der größte Skandal in der Geschichte der Olympischen Spiele, nur zwei Tage nach dem Finale wurde Johnson des Dopings überführt. In seinem Urin hatten die Kontrolleure das verbotene Mittel Stanozolol gefunden. Der Kanadier, eben noch als Held gefeiert, wurde jetzt von aller Welt verspottet und verdammt. Johnson floh nach Toronto und verkroch sich bei seiner Mutter – und strickt bis heute an seiner Verschwörungstheorie.

Gedopt habe er, das ja, aber nicht mit Stanozolol, sagt Johnson, das mache die Muskeln steif. „Es war mein Urin, aber was darin gefunden wurde, wurde mir untergeschoben“, wird der Kanadier nicht müde zu behaupten, „ich weiß, wer es getan hat, ich kenne die ganze Wahrheit. Die ganze Welt hat darüber spekuliert, und es war ein geheimnisvoller Mann.“ In seiner Version der Geschichte kommen die übermächtigen Amerikaner vor mit ihren Sponsoren und auch sein Intimfeind Carl Lewis.

Die Goldmedaille von Seoul musste Johnson zurückgeben, Lewis wurde als Sieger des Rennens ausgerufen. Doch der hätte eigentlich gar nicht laufen dürfen, denn schon vor den Spielen waren ihm Dopingsubstanzen nachgewiesen worden. Der amerikanische Verband ließ ihn jedoch starten. Bis auf den Amerikaner Calvin Smith (ursprünglich Vierter) wurden alle Teilnehmer des Finales von Seoul im Laufe ihrer Karriere positiv getestet – es gilt als das schmutzigste Rennen der Leichtathletik-Geschichte.

Nach dem Skandal folgte dem rasanten Aufstieg der noch schnellere Abstieg. Sein WM-Titel von 1987 und der Weltrekord wurden ihm aberkannt. Nach seiner Begnadigung 1990 konnte Johnson nie mehr an seine gezeigten Leistungen anknüpfen. 1993 wurde er erneut positiv getestet und lebenslang gesperrt. Danach verdiente er seinen Lebensunterhalt als Footballspieler, in Stock-Car-Rennen sowie als persönlicher Fitnesstrainer der Fußball-Legende Diego Maradona und eines Sohnes des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi.

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