DORTMUND - Im größten Fußball-Vergnügungspark Deutschlands, der Dortmunder Arena, fuhren am Freitag fast 81 000 Menschen Gefühls-Achterbahn. Das 4:4 (1:0) zwischen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart war ein denkwürdig-emotionaler Abend, für viele war das Geschehen vollkommen wahnsinnig.
Total verrückt. Das ist Fußball, das ist Leben, kommentierte BVB-Meistercoach Jürgen Klopp das kaum Nachvollziehbare. Für solche Spiele lohnt es sich, Trainer zu sein, meinte sein VfB-Kollege Bruno Labbadia. Von diesem Spiel werden wir noch unseren Kindern erzählen, konstatierte Stuttgarts Torhüter Sven Ulreich.
Das Spektakel hat das ganze Stadion von den Sitzen gerissen, hielt BVB-Innenverteidiger Mats Hummels fest. 2:0 führte der BVB durch Shinji Kagawa (33. Minute) und Jakub Blaszczykowski (49.), fraglich schien nur die Höhe des Sieges.
Dann indes begann eine Phase, in der seine schwäbischen Landsleute einen Großteil des Mörderspiels lieferten, von dem Klopp später sprach. Vedad Ibisevic (71.) und Julian Schieber (77./79.) machten aus dem Rückstand ein 3:2 für den VfB.
Unfassbar, wie wir in einer Viertelstunde das Spiel aus der Hand gegeben haben und dann wiedergekommen sind, bemerkte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Denn: Hummels glich aus (81.), Joker Ivan Perisic (87.) legte das 4:3 nach und fiel trotzdem später völlig platt und fassungslos rücklings auf den Rasen, weil Christian Gentner in der Nachspielzeit den Schlusspunkt setzte.
Irgendwie waren alle Gewinner, als Klopp deutlich machte, warum das Premiumprodukt Fußball-Bundesliga vielen so lieb und teuer ist: Es geht derzeit um die TV-Rechte. Jetzt wissen wieder alle, warum sie so viel blechen sollen. Der BVB war deshalb kein Verlierer, weil er weiterhin aus eigener Kraft den Titel verteidigen kann. Der VfB blieb zum sechsten Mal nacheinander unbesiegt und hat weiter die Europa-League-Qualifikation im Visier.
In Dortmund blieben sie gelassen, weil die Rekordserie auf 22 Spiele ohne Niederlage anwuchs und die Titelverteidigung weiter möglich ist.
