DORTMUND - Die Leidenszeit von Ilkay Gündogan bei Borussia Dortmund ist vorbei. Der beim deutschen Fußball-Meister zwischenzeitlich auf die Ersatzbank verbannte Neuzugang führte zuletzt wieder gekonnt Regie. Mit Geistesblitzen, sehenswertem Passspiel und Fortschritten bei der Balleroberung widerlegte der Mittelfeldspieler zum wiederholten Mal alle Kritiker. „Ich bin jetzt angekommen. Auf und neben dem Platz“, kommentierte Gündogan seine ansteigende Form.

Ein Schlüsselerlebnis half, die Selbstzweifel abzulegen. Seit seinem Siegtor zum 1:0 in der Verlängerung des Pokalhalbfinales beim Zweitliga-Spitzenreiter Greuther Fürth im März blüht der Deutsch-Türke im Mittelfeld des Revierclubs auf.

„Solch ein wichtiges Tor zu schießen, war für Ilkay eine ganz besondere Befreiung“, sagte Kapitän Sebastian Kehl. Ähnlich sah es der Matchwinner. „Überragend. Einer der schönsten Tage meines Lebens“, sagte er.

Zweifel an den Qualitäten von Gündogan hegt in Dortmund inzwischen niemand mehr. Dabei ist es noch nicht allzu lange her, dass der im Sommer für rund vier Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg verpflichtete Abiturient von vielen Fans bereits als Fehleinkauf abgeschrieben wurde. Nach neun Saisonspielen und schwachem Saisonstart des BVB verschwand der 21-Jährige aus der Startaufstellung, später gar von der Ersatzbank.

Doch Gündogan konnte auf das Vertrauen von Jürgen Klopp zählen. Einmal mehr bewies der Fußball-Lehrer bei der Integration eines wankenden Jungprofis Geschick. Mit viel Geduld machte er den Problemfall fit für den laufintensiven Balleroberungsfußball der Borussia. Im Nachhinein kann Gündogan der Verbannung auf die Tribüne positive Seiten abgewinnen: „Das hat gut getan, um Abstand zu gewinnen. Ich war am Anfang ein wenig in mich gekehrt.“

Mehr und mehr wird offenkundig, warum Klopp den Edeltechniker als Ersatz von Nuri Sahin ausgewählt hat. Wie einst sein im Sommer zu Real Madrid gewechselter Vorgänger überzeugte Gündogan im Mittelfeld zuletzt mit großer Präsenz.

Es spricht für sein gewachsenes Selbstvertrauen, dass Gündogan sich mit dem Status Quo nicht begnügen mag. Mit weiteren starken Leistungen will er sich für die Nationalmannschaft empfehlen.