DORTMUND - Für kurze Zeit herrschte betretene Stille, nur wenig später grenzenlose Euphorie. Der grandiose Schlussakkord von Borussia Dortmund beim 4:1 (0:0) im Spitzenspiel gegen Hannover 96 sorgte im größten deutschen Fußballstadion für vormeisterliche Stimmung.
Als wäre die Schale bereits im Revier eingetroffen, feierten Fans und Profis ausgelassen den hart erkämpften Sieg. Das 0:1 war ein Schock, doch unsere Reaktion darauf überragend. Uns wirft keiner mehr aus der Bahn, tönte Spielmacher Nuri Sahin.
Eine bessere Therapie hätte sich der zuletzt verunsicherte Bundesliga-Tabellenführer kaum wünschen können. Als nach zwei sieglosen Partien ein weiterer Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft drohte und es im Stadion mit einem Schlag ruhig wurde, spielte sich der BVB in einen Rausch. Mario Götze (59.), Lucas Barrios (64./74.) und Kevin Großkreutz (83.) drehten nach dem 0:1 durch Mohammed Abdellaoue (57.) die Partie. Wer so zurückkommt, hat es verdient, deutscher Meister zu werden, sagte Dortmunds Mittelfeldspieler Großkreutz.
Vor allem Götze begeisterte. Die Eleganz und Leichtigkeit, mit der der 18-Jährige auf seinem Weg zum Ausgleich gleich vier Gegenspieler stehen ließ, verleitete zu überschwänglichen Lobeshymnen: Das war eine Weltklasse-Einzelleistung, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Und Mats Hummels verriet: Manchmal nennen wir ihn Götzinho.
Seinen Treffer widmete Götze seinem zum Saisonende scheidenden Mitspieler Leonardo Dede, dessen Name auf einem Shirt unter dem hochgerissenen Götze-Trikot zu lesen stand. Das war eine großartige Aktion, die zeigt, wie wir alle fühlen, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp, obwohl Götze für die Aktion die Gelbe Karte gesehen hatte.
Die große Erleichterung über den wichtigen Sieg war Klopp anzumerken. Entsprechend euphorisch fiel sein Jubel aus. Nur als ihm sein Gegenüber Mirko Slomka Minuten nach dem Schlusspfiff zur Meisterschaft gratulierte, reagierte der Fußball-Lehrer wenig amüsiert. Diese Glückwünsche kommen hundertprozentig zu früh. Ich bin normalerweise ein sehr optimistischer Mensch, aber ich kann nicht unsere nächsten sechs Gegner ignorieren, entgegnete Klopp.
Hannover liegt indes trotz des Falls auf Rang vier noch immer gut im Rennen. Wir haben bis zur 59. Minute ein sehr ordentliches Spiel gemacht, aber leider danach Geschenke verteilt, urteilte Slomka treffend. Dass wir so leichte Tore zulassen, habe ich in dieser Saison zum ersten Mal gesehen, trauerte Steven Cherundolo der vertanen Chance auf einen weiteren Coup nach.
