DRESDEN - Dynamo Dresden hat erste Konsequenzen gezogen: Zum Fußball-Spiel beim FC St. Pauli reist der Zweitligist am 27. November ohne eigene Anhänger. Nach den Fan-Krawallen rund um das DFB-Pokalspiel bei Borussia Dortmund mit Verletzten und Festnahmen verzichtet der Aufsteiger auf seine Hamburger Eintrittskarten. Sollten sich Anhänger in Heim- oder Auswärtsspielen etwas zuschulden kommen lassen, nimmt der Club auch keine Fans mit zum Spiel bei Hansa Rostock im Dezember.
Wir hatten im Sommer den Dialog mit den Fans und hatten Konsequenzen angekündigt. Die ziehen wir jetzt, sagte Geschäftsführer Volker Oppitz am Montag in Dresden bei der Vorstellung von Sofortmaßnahmen. Es tut mir Leid für unsere echten Fans.
Zusätzlich zu den Sanktionen für die Fans reagierte der Zweitliga-Neuling auch präventiv: Neben Jan Männig wird ein zweiter hauptamtlicher Fan-Betreuer eingestellt. Wunderdinge erwartet Oppitz davon jedoch nicht, da mit der verstärkten Fanarbeit wohl nicht die gewaltbereiten Rowdys erreicht werden.
Wir wissen um das Problem und sind dabei auf die Strafverfolgung durch die Polizei und Staatsanwaltschaft angewiesen, erklärte der Geschäftsführer. So sei auch die Umsetzung von Stadionverboten mitunter schwierig, da es eine Liste mit Namen und Adressen gebe, aber keine Bilder dazu.
Der Club erhofft sich durch die eigenen Maßnahmen eine mildere Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und will so ein eventuelles Geisterspiel oder gar den Pokalausschluss abwenden. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hält diesen Schritt aber für nicht angemessen. Es müsse gelingen, die einzelnen Täter zu ermitteln. Dann müssten Stadionverbote ausgesprochen, Geldbußen verhängt oder weitere Sanktionsmaßnahmen getroffen werden, sagte er.
Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes DFL, hatte zuletzt sogar mit einem kompletten Ausschluss von Gäste-Fans gedroht. Dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrick Große Lefert geht dieser Schritt zu weit. Dass wir ganze Fan-Szenen ausschließen müssen, kann eigentlich nur das letzte Mittel sein, so Große Lefert.
Zorc zeichnet bereits ein Horrorszenario. Wenn dieses Problem nicht in den Griff zu kriegen ist, muss man auch über weitere Maßnahmen entscheiden. Wir haben zum Beispiel gesehen, dass in den 80er Jahren die gesamte englische Liga vom Europapokal ausgeschlossen worden war, erläuterte Zorc.
