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NWZonline.de Sport Fußball

Karriere: Wenn Familie den Fußball verdrängt

01.08.2020

Düsseldorf Erst André Schürrle, nun Benedikt Höwedes – binnen zwei Wochen haben zwei vergleichsweise junge Weltmeister von 2014 die Fußball-Karriere beendet. Wie schon sein erst 29-jähriger einstiger Nationalmannschaftskollege fand auch der drei Jahre ältere Höwedes zum Ende seiner Laufbahn kritische Worte über die Auswüchse des modernen Fußballs. Der habe „sich brutal entwickelt. Und dabei immer weiter distanziert von den normalen Fans. Da geht etwas verloren“, sagte der Abwehrspieler dem „Spiegel“.

Private Gründe

Als Hauptgrund für seinen Rückzug gab Höwedes jedoch familiäre Gründe an. In einem Urlaub habe er kürzlich gemerkt, „wie krass es mich erfüllt hat, meinen Sohn hautnah zu erleben. Da wurde Fußball plötzlich so unwichtig für mich.“ Auch die Angebote mehrerer Clubs konnten ihn nicht von seinem Entschluss abbringen.

Höwedes ist damit nach Schürrle, Roman Weidenfeller (39 Jahre), Philipp Lahm (36), Per Mertesacker (35), Bastian Schweinsteiger (35) und Miroslav Klose (42) der bereits siebte Weltmeister von Rio, der einen Schlussstrich zog. Klose nahm in dieser Woche seinen Job als Co-Trainer beim FC Bayern auf – unter seinem neuen Chef Hansi Flick, der 2014 Assistenzcoach von Bundestrainer Joachim Löw war.

Mitte Juli hatte Schürrle in emotionalen Worten seinen Abschied verkündet und dabei geklagt, dass im Fußballgeschäft „Verletzlichkeit und Schwäche zu keinem Zeitpunkt existieren“ dürfe. Höwedes hatte bereits vor einigen Wochen seinen Vertrag bei Lokomotive Moskau vorzeitig aufgelöst. Die ultimativen Höhepunkte seiner Karriere erlebte der langjährige Kapitän des FC Schalke, für den er von 2001 bis 2017 auflief, am 8. Juli 2014 beim 7:1-Kantersieg der DFB-Elf im WM-Halbfinale über Gastgeber Brasilien und dem 1:0-Finalsieg über Argentinien fünf Tage später in Rio. Als Linksverteidiger trug der in allen sieben Turnierspielen eingesetzte Höwedes in tragender Rolle zum Turniersieg bei.

Weniger positiv sind seine Erinnerungen an den Abschied im August 2017 von seinem Stammverein Schalke, nachdem er vom damaligen Trainer Domenico Tedesco als Kapitän abgesetzt und aus der Stammelf verbannt worden war. „Ich wusste, dass es in dem Geschäft knallhart zugeht. Aber ich hatte immer nur die Sonnenseite kennengelernt. Dann habe ich die volle Breitseite bekommen“, kommentierte Höwedes.

Meister mit Turin

Bei seinem nur einjährigen Intermezzo bei Juventus Turin gelang ihm, was ihm auf Schalke immer verwehrt geblieben war: Er gewann die nationale Meisterschaft. Verletzungspech verhinderte jedoch, dass er sich als Stammspieler durchsetzen konnte. Juve verzichtete auf die Kaufoption für den nur ausgeliehenen Höwedes. Für rund fünf Millionen Euro wechselte er 2018 zum russischen Club Lokomotive Moskau.

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