DUISBURG - Um ihre Offensivabteilung braucht sich Fußball-Bundestrainerin Silvia Neid keine Sorgen machen. Ihr stehen gleich mehrere Spitzenkräfte zur Verfügung. Eine davon ist Inka Grings. Die 32-jährige Stürmerin des FCR Duisburg untermauerte auch in der gerade abgelaufenen Bundesliga-Saison ihre überragenden Qualitäten: Sie erzielte 23 Tore.
Insgesamt hat sie in der Ersten Liga schon 353-mal getroffen. Jetzt will sie sich an den Rekord von Gerd Müller wagen, der 365 Bundesligatore schoss. Bis zu Gerd Müller ist es ja nicht mehr weit. Vielleicht kann ich den Rekord ja in der neuen Saison knacken, sagt Grings. Doch vorher verfolgt sie noch zwei andere Ziele. Ich will mit Duisburg das Finale der Champions League erreichen und im Sommer Weltmeister werden.
Obwohl sie bereits zahlreiche Titel gewonnen hat, ist ihr Ehrgeiz ungebrochen. Ich habe mir vorgenommen mit Duisburg jedes Jahr einen Titel zu holen, verrät sie. Diesen Ehrgeiz lebt die mehrfache Torschützenkönigin inzwischen allerdings in einer entspannteren Form aus als noch zu Beginn ihrer Laufbahn. Früher war ich viel verbissener. Ich reagiere jetzt gelassener auf viele Dinge.
Die schnelle Stürmerin ist die unumstrittene Führungsspielerin in Duisburg. Ihr Wort hat Gewicht in der Mannschaft. Das weiß auch ihr Trainer Marco Ketelaer: Inka verkörpert aufgrund ihrer engagierten Spielweise und ihres Torriechers absolute Extraklasse. Allerdings verlangt er auch von der zweifachen Europameisterin einen nimmermüden Einsatz. An meine Spielerinnen stelle ich die höchsten Ansprüche. Da bildet Inka keine Ausnahme. Aber sie arbeitet so hart und verhält sich so vorbildlich, dass ich mir um sie keine Gedanken zu machen brauche.
Nicht umsonst führt Grings die Mannschaft bei jedem Spiel als Kapitänin auf das Feld. Wie auch am vergangenen Sonntag beim Testspiel gegen Zweitliga-Aufsteiger BV Cloppenburg (7:1). Ein Tor erzielte sie aber nicht. Da habe ich nicht gut gespielt, gibt sie zu. Grings weiß, dass sie und ihre Mannschaft eine Schippe drauflegen müssen, um im Champions-League-Halbfinale gegen Turbine Potsdam bestehen zu können. Die Spiele gegen Potsdam werden es in sich haben. Schließlich kennen sich beide Teams in- und auswendig, sagt Grings.
Ebenfalls von einer hohen Qualität werden die Begegnungen bei der WM in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) sein. Die Elf um Torjägerin Grings hat mit Kanada, Nigeria und Frankreich eine schwere Gruppe erwischt. Die Vorfreude bei Grings ist groß. Es ist eine tolle Geschichte, wenn man eine WM im eigenen Land spielen darf. Eine Treffermarke hat sie sich nicht gesetzt. Der Erfolg der Mannschaft sei ihr wichtiger als das eigene Torkonto.
