Bremen - Das mit der Begrüßung in norddeutschem Slang muss der Schwabe Robin Dutt noch ein wenig üben. Als er am Dienstag offiziell bei Werder Bremen als neuer Cheftrainer vorgestellt wurde, versuchte er es mit einem etwas unbeholfenen „Morgn, Morgn“. Geschäftsführer Thomas Eichin, selbst erst seit 100 Tagen in Bremen, korrigierte ihn: „Man sagt ,moin, moin‘.“ Doch abgesehen davon präsentierte sich der 48-Jährige so sympathisch und überzeugend, dass der Begriff Hoffnungsträger für die zuletzt arg gebeutelten Werder-Fans nun ein Gesicht bekommen hat.
Auch wenn das Wort „authentisch“ bisweilen überstrapaziert wird – genau so wirkte der ehemalige Freiburger und Leverkusener Coach, der zuletzt das Amt des Sportdirektors beim Deutschen Fußball-Bund ausgeübt hatte. Dutt gab zu, dass er die Verärgerung beim DFB über seinen frühzeitigen Abgang verstehen könne. Und er eierte nicht lange herum, als er nach seiner alles andere als glorreichen Zeit in Leverkusen gefragt wurde. „Das war bestimmt nicht meine beste Performance. Da habe ich vor allem zu Beginn einige Fehler gemacht, und das hat sich dann festgesetzt.“ Er schob den Misserfolg nicht auf die internen Querelen und das mediale Getöse um Michael Ballack. Er gestand vielmehr, dass er vielleicht ein wenig zu verbissen gewesen sei.
Doch er habe aus dieser Zeit gelernt. „Ich werde bestimmt nicht gleich auf der ersten Pressekonferenz hochtrabende Ziele raushauen“, gab sich Dutt zurückhaltend. Vielmehr gehe es darum, sich der Mannschaft mit der nötigen Sensibilität zu nähern. Zudem machte er keinen Hehl aus seinen Gefühlen. „Ich bin unwahrscheinlich glücklich, bei Werder wieder auf der Bank sitzen zu dürfen.“
Er habe unterschätzt, wie sehr ihm als DFB-Funktionär das tägliche Training und der Adrenalinkick bei den Bundesliga-Spielen fehlen würden. Für Menschen seiner Generation, so Dutt, sei Werder ein Verein, der Begeisterung auslöst und bei dem Professionalität und Menschlichkeit in einer guten Balance seien.
Dutt erklärte, dass sich die Philosophie Werders weitgehend mit seinen Vorstellungen decke. Reinen Ergebnisfußball werde es unter ihm nicht geben. Gleichzeitig ist bekannt, dass Dutts Mannschaften zwar offensiv ausgerichtet sind, der Coach seine Spieler aber auch nicht blind ins Verderben rennen lässt. Und eine stabile Abwehr kann wohl kaum ein Club besser gebrauchen als Werder.
Als Assistenten bringt er Ex-Profi Damir Buric mit an die Weser. Neuer Torwarttrainer wird Marco Langner, den Posten des zweiten Assistenten ließ Dutt noch unbesetzt.
Vor seinem Engagement in Bremen hatte er mit seinem Vorgänger telefoniert. Er erzählte, dass Thomas Schaaf ihn zu dem Job beglückwünscht habe. Unterschiedlicher könnten die Typen auf den ersten Blick kaum sein: der wortkarge Stoiker Schaaf und der eloquente Charmebolzen Dutt. Doch als Trainer liegen die beiden gar nicht so weit auseinander.
Eine zweite Chance in Bremen erhalten derweil Marko Arnautovic und Eljero Elia. „Es geht jetzt wieder bei null los“, sagte Eichin über die beiden Profis, die nach ihren nächtlichen Autobahneskapaden Ende April bis zum Saisonende suspendiert worden waren.
